Albanien - im Land der vielen Möglichkeiten

24.07.2018

Wir begannen unsere diesjährige Albanien-Tour mit einem ersten fliegerischen Ausflug direkt hinter der Hauptstadt Tirana, wo wir mit der wohl einzigen Seilbahn des Landes den Weg zum Startplatz bestritten. Uns war ein kurzes, aber schönes thermisches Fenster mit bester Aussicht auf die Stadt vergönnt, bevor sich die ersten Wolkentürme zusammen brauten. So nutzten wir den Rest vom Tag und zogen weiter gen Süden an’s Meer.

Vlora bescherte uns einen guten thermodynamischen Flugtag über der türkisblauen Küste; Thedy, Toni und Rolf entschieden den dortigen Höhenrekord für sich und konnten in ausgiebiger Runde das Städtchen von oben betrachten, Michael und Lucien cruisten die gesamte Kante ab und Ueli konnte ein feines „Hochhaussoaring“ vollführen. Am Strand landen (…auch wenn das jeder anders umsetzt, gell Lucien…;-)), ein Bad im Meer und des Abends Fisch essen gehen - alles, was man von einem Küstenfluggebiet erwartet!

Dann erlaubten uns die folgenden windschwächeren Tage, zurück ins Landesinnere zu fahren. Wir bezogen ein Hotel in Gjirokaster, einer der ältesten Städte Albaniens, der Dank ihrer Einzigartigkeit zurecht der Titel des UNESCO-Welterbes verliehen wurde. Auch fliegerisch hält das breite Tal mit seinen gut 2000 m hohen Bergflanken einiges bereit; nach kurzer körperlicher Anstrengung in Form von ein paar Höhenmetern zu Fuß zum „Startplatz“ und dem dortigen Einsatz der Elektro-Motorsense im Kampf gegen die zahlreichen Disteln, stand einem coolen Flug und einigen Streckenkilometern nichts mehr im Weg. Die meisten schwärmten aus, auf Erkundungstour der Kante entlang gen Norden oder in Richtung Griechenland nach Süden; Michel Kopp versuchte auf flachem Dreieckskurs den Gebietsrekord zu knacken, Marc bestritt erfolgreich seinen ersten richtigen Streckenflug und auch wer lokal unterwegs war, fand den ein oder anderen guten Schlauch zum Ausdrehen und konnte die grandiose Aussicht genießen und vor Gjirokaster und einer nahen Bar landen.

Die letzten Tage verbrachten wir in Korce, nahe der griechischen und mazedonischen Grenze. Der Abwechslung sind in Albanien offenbar keine Grenzen gesetzt und so erwarteten uns nochmals vielseitige und neue Landschaftsbilder; sowohl auf der zwar kurvenreichen, aber extrem schönen Fahrt durch die Berge, als auch in Korce selbst, wo sich südlich des Ohridsees ein breites ebenes Tal öffnet, welches zum Flachlandfliegen einlädt.

Ausgangspunkt für unsere luftigen Abenteuer war der Hügel mitsamt Kapelle hinter der Stadt; gestartet wurde direkt vor einem monumentalen Kreuz und so ging es mit geistigem Beistand von lediglich 400 m Höhe über der Talsohle auf Thermiksuche. Neben dem ein oder anderen unvermeidbaren „Bomb-Out“ stellte sich der weltweit funktionierende Friedhofsschlauch meist als erfolgversprechend heraus. Wer die erste Thermik meisterte, stellte sich im Folgenden dem Flachland-Abenteuer; Wiebke und Michael gruben sich souverän von weit unten wieder aus und flogen ein paar schöne Streckenkilometer, Ada und Bernhard meisterten erfolgreich die teils windversetzte Thermik und genossen eine grandiose Abendrunde, Thedy, Stefan, Toni, Enrico, Stefan, Cami, Rolf und Vincent waren auf ausgiebigen Talrunden unterwegs, Sebi zog auf One-Way-Strecke gen Süden über den nächsten Pass davon und diesmal war Raffi auf Gebietsrekord-Kurs mit quasi einer doppelten Talrunde von über 70 km.
Am letzten Abend konnten alle noch ein feines thermodynamisches Soaring im Abendlicht genießen, bevor sich die Reise mit der Rückfahrt nach Tirana dem Ende neigte.

Wir erlebten eine wettertechnisch nicht immer einfache, dennoch sehr schöne Flugwoche in einem fliegerisch noch wenig bekannten Albanien; im Zusammenhang mit der enormen Vielseitigkeit des Landes, der interessanten Kultur, den sympathischen Menschen, der guten Küche und zuletzt dank der tollen Truppe und unseren extrem hilfsbereiten Locals Bruno und Endri eine wirklich gute Zeit.

Text: Verena Siegl, Fotos: Andy Flühler, Verena Siegl

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