Australien – Mission Down Under

12.01.2017

Eines ist klar, wenn man nach Australien fliegt, dann hat man gewisse Erwartungen; die Sonne sollte gefälligst immer scheinen, Thermik und gute XC Bedingungen will man haben und anscheinend gibt es dort auch Känguruhs und Koalas in Hülle und Fülle… Wir machten uns auf um der Sache auf den Grund zu gehen: Es fing alles gleich erwartungsvoll an, der legendäre Stanwell Park, an dem schon die ersten Hangglider vor gefühlten 50 Jahren ihre Runden drehten, erwartete uns die ersten zwei Tage gleich mit ebenso legendären Bedingungen.

Ein beeindruckender Küstenspot, der in beide Richtungen Möglichkeiten zum weg fliegen bietet. Sofort kristallisierte sich auch eine weitere Regelmässigkeit heraus; wer verfolgte welches Ziel! Sami, Pascal und Beat zogen unter der niederen Basis die Küstenstrasse entlang davon und waren erst ca 25 km später Richtung Hotel wieder zu finden.

Die anderen genossen die lokalen Bedingungen und teilten den Landeplatz mit hunderten von Kakadus, die immer wieder überfallartig den Platz unter sich verteilten und lautstark verteidigten. Ein perfekter Einstieg in den Australien way of life and fly! Auserdem lernten wir „sympatische“ Eingewanderte kennen, deren legendäre Lebensweisheiten uns noch lang zum lachen brachten…!

Um die Reise ins Inland etwas kurzweiliger zu gestalten, gab es am nächsten Tag noch ein kleines Beachcruisen am Hill 60, welchen auch die Pelikane als beliebten Soaringspot nutzen.

Von nun an hiess es umstellen; Thermikfliegen in Manilla war angesagt. Wohl wenig Berge auf dieser Welt bieten Startplätze in 5 Richtungen, der Mt. Borah gehört auf jeden Fall zu diesen perfekten Plätzen. Dazu ideal mit Teppichen ausgelegt, die ihre besten Zeiten zwar schon hinter sich haben, aber trotzdem beste Startmöglichkeiten bieten. Das testen der einheimischen Hotelerie hatten wir bald abgeschlossen und benutzten die lokalen Bars nur noch als Sammel-Bier und Wartepunkt.

Nun stellten sich so langsam die verschiedenen Rollen der Teilnehmer heraus: Sami hatte nur ein Ziel vor Augen: Mission 100 km , er war jeden Tag bis unter die Haarspitzen motiviert, liess sich auch von Adlerattacken, welche stattliche Löcher in seinen Schirm hackten nicht beirren und erreichte schliesslich Dramaturgisch perfekt am letzten Tag in Manilla sein Ziel. Antje, mit dem „Skopje Syndrom“ angereist hielt auch weiter an ihrer Taktik fest, erst tief sein, um dann beeindruckend aufdrehen zu können und klar zu machen, dass auch ein Alpha zum Thermik Pirat werden kann.

Anita war die absolute Spezialistin der einheimischen Botanik, man könnte auch sagen sie hasste die Disteln und musste sich erst in einem langwierigen Prozess mit der australischen Botanik und Thermik anfreunden, aber zum Schluss gingen alle friedlich und vereint ihrer Wege und sie war hoch am Himmel zu finden. David verwirrte täglich mit einem neuen Land auf seinem T Shirt, hatte aber eventuell dadurch einen untrüglichen Instinkt, was das taktische auswählen des sichersten Startzeitpunktes anging und es war sicher ihn nicht im bomb out zu finden. Beat und Pascal waren zwar nur 2/3 aus der 3 er WG machten aber als 2 er Team jeden Tag die early birds und eröffneten den Tag, während andere sich noch die Augen rieben und erst mal aufwachen mussten. Ausserdem waren sie wichtig für das gesamte hygenische Wohlergehen der Truppe; sie bunkerten das Waschmittel, rationierten es streng, somit hatten wir alle die ganze Zeit etwas davon!

Chantal musste sich erst an diese ihr unheimlichen hohen Höhen herantasten, was ihr aber eindrücklich gelang, der Stolz wurde immer grösser, als sie strahlend von ihren Expeditionen in Richtung Basis und später in ihre ersten Kilometer erzählte. Als sie dabei auch noch Claudio teilweise auf der Strecke liegen liess und eiskalt ausdrehte, war der Haussegen kurz gefährdet, aber Claudio war schnell zurück und wenn man irgendwo einen Schirm vom Himmel „saten“ sah, dann war der „Blaue“ wieder am Werk.

So vergingen die Tage in Manilla mit vielen Stunden in der Luft, vielen Kilometern und schönen Flügen. Die Sonne hatten wir also schonmal, die Thermik ebenso, auch die Känguruhs hüpften munter am Startplatz vorbei.

Weiter ging es Richtung Süden: Bright in den „australischen Alpen“ sollte unser nächster Spielplatz sein. Der touristische Ort bietet einen völligen Kontrast zu Manilla. Biker, Flieger, Kajakfahrer und im Winter Skifahrer finden hier optimale Bedingungen. Auch die Vegetation überrascht hier mit üppigem Grün und viel Wald.

In Bright hat sich eine starke Gleitschirm und Tandem Szene etabliert, welche sich an ihrem Hausberg „Mystic Hill“ einen famosen Startplatz geschaffen haben. Wir hatten das Glück verschiedener Windrichtungen und konnten so die nächsten Tage auch die Startplätze in der Region befliegen. In Bright direkt ging es erstmal darum die von einigen unfreundlichen Farmern ausgewiesenen no landing Zones zu finden und zu meiden. Da sich das noch als anspruchsvoll herausstellte, gingen einige einer anderen ebenfalls sehr erfolgreichen Taktik nach: Landen irgendwo am Rand des Feldes, schnelles entfernen und tarnen unter dem nächsten Baum, ruhig stellen, warten was passiert und dann schnell und heimlich die Wiese verlassen…

Das angrenzende Kiewa Valley bot uns einen wunderschönen Nachmittagsflug, unser „hell driver“ Pat liess sich auch von einem von der Felge gezogenen Reifen nicht aufhalten und jagte seine Schüssel unerbittlich bis an den Startplatz, nachdem wir dort erst noch sehnsüchtig den Deltas zuschauen mussten kam der richtige Zeitpunkt und bald waren alle am Himmel unterwegs und genossen den schönen Flug in der überall tragenden Luft.

Eine kleine Truppe liess sich die Möglichkeit nicht entgehen und wurde von Olli im Segelflieger durchs Kiewa Valley geflogen, erforschten die neue Dimension des Fliegens und die Berge rund um den Mt. Bogong.

Wegen des Südwindes machten wir einen Ausflug nach Norden: Eine super Kante mit vorgelagertem Flachland lies uns hier einen weiteren schönen Flugtag verbringen. War es um die Mittagszeit noch ein fight, so wurde es gegen Nachmittag ein Traum, auch wenn Alfred aus Sicherheitsgründen kurz vor dem landen wieder aufdrehen musste, er befürchtete die gesichteten Känguruhs würden über ihn herfallen wenn er dort zum landen gehen würde. Ausserdem verwirrte er mit oberfränkisch- hochdeutschen Navigationsfunkspruchen seine komplette Konkurrenz, was aber sicher zu seiner Taktik gehörte.

Zur Abreise schenkte uns Bright nochmal einen „classic day“. Sami zog wieder eindrucksvoll ins Kiewa Valley davon und flog die Hälfte der Reiseroute. Auch Jonas unser Youngster mit ziemlich viel Talent ausgestattet ging die Strecke an und wurde im „Happy Valley“ wieder aufgesammelt. Ausserdem führte er zum Schluss mit grossem Vorsprung und eindrucksvoll die „hike after landing“ Wertung an . Claudio stattete dem nahegelegenen Mt. Buffalo noch einen Besuch ab und wir konnten alle zufrieden weiterziehen.

Die Reiseleitung höchstpersönlich kalkulierte knallhart mit der Tankstellendichte bzw. Undichte in Australien, verzockte sich leicht und konnte aber mit Hilfe aller Finessen und Spritspartechniken noch easy die nicht ganz auf dem Weg liegende Tankstelle erreichen. Dort passten saubere 74,6 Liter in den 75 Liter Tank! Es lohnte sich wenigstens…!
Corryong im irgendwo war dann das passende Finale furioso: Alle drehten davon, in einer perfekten, wie für das Fliegen geschaffenen Umgebung. Andreas brauchte lang, aber schliesslich wurde er doch vom besser steigenden Flachland bekehrt, was sicher nur bis zum nächsten Flug am Nebelhorn anhält, Dirk entpuppte sich während der ganzen Reise einmal mehr als wandelndes Musiklexikon und packte am Corryong sein ganzes Talent aus; was ihn am 2. Tag zum klaren Mt. Corryong Champ machte, auch bei Ramona und Christoph blieb alles beim alten; während sie schon die ersten Kreise zog und auf und davon war, nahm Christoph erst mal gelassen alles in Angriff und war ihr bald auf den Fersen.

Yvonne blieb wie immer eiskalt ihrer Theorie und Dopingmethode treu: Nur Rüebli in ausreichender Menge sind eine klare Hilfe auf dem Weg nach oben und Regina entdeckte hier auch ihre Liebe zum Flachland fliegen. Der „Hot Lande Spot“ war dann der schöne Fluss welcher mit super Bademöglichkeiten irgendwann alle anlockte. Natürlich nicht ohne vorher wie Beat, Pascal oder Sami ein schönes 60er Fai in den Himmel zu malen. Beat überwand sich dafür sogar zu über 5 Stunden Flugzeit…!

So endete unsere Reise wie sie angefangen hatte, am letzten soarten wir noch mal etwas am Hill 60 und konnten diese schöne Tour Revue passieren lassen. Die Sonne fanden wir, die Thermik ebenso, auch die Känguruhs gab es in Fülle, das einzige was wohl ein Gerücht bleibt, sind die Koalas, hier brachte nur David am letzten Tag handfeste Beweisbilder aus einem Park in Sydney.

Vielen Dank für die schöne Reise und die gute Zeit.

Text: Michael Gebert
Fotos: Guri Leirdal Hoem, David Kobelt, Michael Gebert

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