Azoren 1 - Krater-fliegen par excellence!

29.06.2018

Nach den eher herbstlichen Temperaturen auf dem portugiesischen Festland empfingen uns die Azoren endlich mit sommerlich-mildem Wetter, dass das Tragen von T-Shirts möglich machte. Gleich zu Beginn erlebten wir Traumtage im wohl spektakulärsten und berühmtesten Kraterfluggebiet der Insel, in Sete Cidades. Schnell war die ganze Truppe in der Luft und stundenlang am Kraterrand entlang unterwegs. Schönste Quellwolken lockten schließlich auch alle erfolgreich in die Mitte der Caldera zum optisch unvergesslichen Sightseeing-Ausflug über die anderen kleinen Kraterseen. Die meiste Ausdauer bewies ganz klar Pascal, der seine 4-Stunden-Runde lediglich mit einer kurzen Toplandung unterbrach. Mit dem guten Abendessen am Strand von Ribeira Grande inklusive dem Blick auf einen grandiosen Sonnenuntergang ein rundum schöner Tag!

Am Montag starteten wir am zweiten großen Krater, der Lagoa do Fogo, bei herrlichsten thermischen Bedingungen auf der Westseite und viele kurbelten draußen an die kleinen wattigen Wölkchen und genossen den Blick in den Kratersee oder über die zahlreichen kleinen Graskegel hinweg auf’s Meer. Wie so oft auf den Inseln ist die Basis im Tagesverlauf permanent in Bewegung und nach auf kommt oft erstmal wieder zu, doch ein kurzes Stoßgebet für Sabine reichte, dass sie als letzte auch noch per Luftweg vom Startplatz los zog. Unser tägliches Krater-Hopping führte uns im Anschluss auf’s Neue nach Sete Cidades - fliegen, solang jeder wollte! Auf den späten Nachmittag zog der Wind dann schließlich an und so fand sich eine Shopping-Abteilung Ponta Delgada, ein Wandertrupp um die farbige Lagune im Krater und eine „Abendflug-Versuchstruppe“. Alle Grüppchen waren erfolgreich….;-)

Die folgenden Tage starteten dann mit der für die Inseln durchaus typischen tiefen Wolkenbasis, die die hohen Vulkankrater weit einhüllte - umso mehr wurde allen im Nachhinein nochmals bewusst, wie glücklich wir uns schätzen konnten, die ersten Tage von Beginn an Sonne und eine stattliche Basishöhe vorzufinden, was auch unser Local João stets begeistert betonte. Dennoch lernt man auf einem so kleinen Stückchen Land mitten im weiten Atlantik schnell, dass man einen Tag nie aufgeben oder von vorn herein als schlecht abstempeln sollte. Gut Ding braucht manchmal einfach Weile und so war morgens entspannt Zeit für einen weiteren Kaffee oder eine kleine Tour durch den Hafen oder das Städtchen, um dem Wetter Zeit zu geben sich zu entwickeln. Nachdem wir an der Lagoa do Fogo recht tief in der Basis standen, nutzte ein Teil der Truppe die Gunst der Stunde, sich ins heisse Wasser der Thermalquellen zu setzen und abzuwarten, während die andere Hälfte erneut in den Sete Cidades Krater zog. Nach Kaffee und Kuchen gingen wir in Mosteiros in die Luft, wo sich ein nettes Sogring-Stündchen mit Blick auf die imposanten schwarzen Felsen im Meer ausging. Das Thermen-Grüppchen hatte nach Erreichen des Garpunkts auch noch Glück und konnte mit Tini einen Flug auf der Nordseite der Lagoa do Fogo hinaus in die Ebene starten.

Auch die folgenden beiden Tage starteten ähnlich entspannt mit tieferer Basis und entwickelten sich schließlich zu sehr schönen Flugtagen, an denen wir dank den windschwachen Bedingungen an der Lagoa do Fogo, dem höchsten Startplatz der Insel, fliegen konnten. Wir genossen einige Thermikstunden draußen in der Fläche in Richtung Ribeira Grande; Thomas tauchte wie Phönix aus der Asche wieder hoch oben auf und schraubte sich quasi von Landeplatzhöhe wieder erfolgreich an die Basis. Nach einer ersten feinen Flugstunde ließ uns der wolkenanfällige Pico Barrosa nochmals zu einer zweiten Runde in die Luft - wir erwischten das Flugfenster perfekt, kaum war der letzte gestartet, verschwand der Startplatz tief in der absinkenden Basis des späten Nachmittags. Draußen war es erneut an den sehr aktiven Wolken super schön zum Aufdrehen und eine ganze Truppe, angeführt von Nico, segelte zum Tagesabschluss an den Strand von Ribeira Grande mit Ausklang an der Strandbar.

Am Donnerstag legte nach unserer mittäglichen Flugrunde am nun bestens bekannten Notstart der Lagoa do Fogo der Nordwind markant zu und ließ uns Zeit, durch die beiden Teefabriken der Insel zu schlendern, die Verarbeitungsprozeduren anzuschauen und natürlich zu probieren und einzukaufen. Für die ganz „niedrigen“ nördlichen Startplätze war der Wind zu schwach, für die hohen zu stark. Somit zog João - Insulaner, langjähriger Pilot und Chef des lokalen Gleitschirmclubs - noch ein Ass aus dem Ärmel, welches zwar etwas körperliche Anstrengung und Experimentierfreude voraussetzte, aber eine neue Optik bot und die Möglichkeit nochmals in die Luft zu kommen. Wer fliegerisch bereits entspannt und weniger am Laufen interessiert war, wechselte in die Beach-Bar, der Rest begab sich zum Pico Grande, einem grasigen kleinen und steilen Vulkankrater, den es erst mal zu Fuß zu besteigen galt. Pascal qualifizierte sich als „Wind-Dummy“ und war nach dem ersten Versuch schnell wieder unten. Er ließ sich davon aber nicht beirren und marschierte nochmal hinauf. Die Bedingungen blieben allerdings suboptimal und so segelten alle Hike & Flyer dann immerhin nach unten, Beat hielt den Streckenrekord von circa 800 m Distanz… aber wer nicht wagt, der nicht gewinnt!

Am Freitag ermöglichte uns ein „westlicher Einschlag“ in unserer Hauptwindrichtung Nord einen Ausflug nach Mosteiros. Die Bedingungen starteten sehr gut; Konrad kam, sah und startete und wurde belohnt mit einem feinen Schlauch bis an die Wolkenbasis draussen über dem Dorf. Es war ihm als „Dummy“ sehr gegönnt. Felix ließ sich ebenfalls nicht lange bitten, genauso Tini, die allerdings im ultimativen Tiefflug über das lange Flachstück hinaus glitt. Zu dritt genossen sie eine tolle Höhe über der Küste und eine grandiose Aussicht auf die spektakulären schwarzen Felsen von Mosteiros. Die meisten starteten, bevor der Wind mehr und mehr aus der Richtung drehte. Den kürzesten Flug musste Gerd über sich ergehen lassen mit einem kurzen Fly und einem im Verhältniss etwas längeren Hike aus der Kuhkoppel - sorry Gerd, ja der Schirm…..;-)
Danach gab es eine erneute Chance für den Pico Grande - und auch wenn er sich erneut eher selektiv präsentierte, strahlten einige nach einem kleinen Höhenflug mit genialer Optik. Martin, Ernst und Gerd - es war ihm sehr gegönnt! - erwischten einen feinen Moment zum Starten und cruisten erfolgreich steigend an den beiden Vulkankegeln entlang.

Der Abschlusstag erwartete uns völlig überraschend mit: Nordwind. Dennoch konnten wir nach einem letzten Panoramastart an unserer mittlerweile gut bekannten Lagoa do Fogo ein weiteres neues Gebiet befliegen. Da der Wind ein wenig zulegte und sich der Pico Barrosa sowieso wieder in Wolken hüllte, zogen wir um die Ecke nach Valados. Den gefühlten Kilometer-Gleitflug 20 m über den Kuhwiesen vom Takeoff bis zur ersten wirklichen Abrisskante meisterten alle nach einem mehr oder weniger langen Startlauf - ist schon recht technisch so ein flacher Platz;-)!
Es gab eine erste feine Flugrunde hinaus auf die Landzunge hinter dem Dorf oberhalb den eindrücklichen Felsklippen; Walti und Felix gingen auf Strecke und zogen in Richtung Ribeira Grande los. Nach einem Drink am nahen Beach ging es nochmal zum Startplatz und uns wurde ein schönes Abschieds-Highlight beschert - genauso spektakulär wie die Tour in Sete Cidades begann, endete sie hier an der Nordküste der Insel. Alle konnten erneut aufdrehen und beliebig lang im immer goldigeren Abendlicht die imposante Küstenlinie und die Klippen von oben betrachten.

So ging sie zu Ende, eine extrem schöne und flugreiche Woche auf den Azoren. Es gab viele Flugstunden, wohl unvergessliche Ausblicke, allabendliches Schlemmen dank der guten Inselküche, Spontanitäts- und Flexibilitätstraining gratis und viel Spaß und lustige Geschichten. Ein Dank an die super Truppe für die tolle Zeit und an unseren Insel-Capo João für seine gute Unterstützung!

Text: Verena Siegl, Fotos: Federico Kutscheidt, Christina Siegl

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