Climb & Fly - Flugwoche Berner Oberland

10.05.2018

Dieses Mal geht es ins Berner Oberland, wo Eiger, Mönch und Jungfrau dominieren – und das instabile Wetter des diesjährigen Sommers.

Wir sind zu dritt, eine kleine Dreierseilschaft, mehr geht auch kaum bei solchen Unternehmungen. Bea und Simon sind diesmal dabei. Simon ein alter Hase, Bea das erste Mal mit mir dabei.

Sonntag Mittag sollte der Treffpunkt sein. Eigentlich. Kurzerhand wird er vorverlegt auf Samstag Abend. Ort und Zeit gibt es meistens erst kurzfristig. Flexibilität ist wichtig bei solchen Flugwochen. Wir sind Wind und Wetter schließlich doppelt ausgeliefert – als Bergsteiger und Piloten. Ab Sonntag Abend soll es windig und instabil werden. Aber mit Wohnmobilen und entspannten Teilnehmern kein Problem. Also starten wir schon Sonntag früh Richtung Blüemlisalp, vorbei am Öschinensee bis hinauf zur SAC Hütte. Das Wetter schlägt schon früh um. Starker Westwind, Regen. An Fliegen nicht zu denken, ebensowenig an den Gipfel. An Rösti in der Hütte schon eher. So lässt sich das Warten und Hoffen auf Flugbedingungen gut aushalten. Und wird belohnt. Mit einem wunderbaren Flug nach Kandersteg, vorbei an Gipfeln und Seen bis zum Campingplatz.
Nur ein stabiler Tag ist die nächste Woche gemeldet. Um den nutzen zu können geht es vom Tal aus Richtung Jungfrau. Zwei Tage insgesamt mit Übernachtung auf einer der abgelegenen Hütten im Berner Oberland. Anspruchsvoller als der Normalweg. Aber Bea und Simon sind fit und motiviert. Trotz Gleitschirm auf dem Rücken. Die Stimmung ist bestens, die Vorfreude groß. Auf die Jungrau, aufs Fliegen. Und der Plan geht auf. Am nächsten Tag starten wir knapp unterhalb des Jungfraugipfels bei leichtem Wind von vorne. Ewiges Dahinfliegen, ewiges Staunen, ewige Freude. Bei wahnsinnig guten Flugbedingungen, bei Sonne und blauem Himmel – Verhältnisse wie im Bilderbuch.

Es hat mal wieder funktioniert. Trotz wechselhaften Wetters, trotz fehlenden Hochs. Zu schnell vergisst man, wie kühn derartige Vorhaben sind. Fliegen von 4000ern der Alpen. Das lässt sich eigentlich gar nicht planen, das kann oft zu reinem Bergsteigen mit Zusatzgewicht werden. Aber wenn es dann klappt, sind diese Flüge unvergesslich. Die Szenerie, die Freude über den Gipfel und den Abstieg ohne schmerzende Füße und Knie. Das Gefühl der Schwerelosigkeit. Und den unbezahlbaren Vorteil, schon Mittags bei Burger und Bier in der Sonne Interlakens sitzen zu können. Da stört es kaum, dass für den nächsten Tag nicht mit Fliegen zu rechnen ist, dass man den Schirm gleich zu Hause lässt, um „nur“ einen 4000er zu machen. Ganz normal, wie jeder Alpinist. Zu Fuß hinauf und hinunter. Was für sich schon eindrücklich genug ist. Und mit dem Gefühl des Vortags wunderbar zu genießen ist.
Schmale Grate, Schnee und Eis, Wind im Gesicht. Und zu Fuß zurück zur Bahn.

Drei große Ziele in vier Tagen. Drei ganz unterschiedliche Touren, in denen Mal der Flug, mal der Berg, immer aber das gemeinsame Erlebnis und der Zusammenhalt als Seilschaft, im Vordergrund standen.
Danke für die schöne Zeit, es war mir eine Freude mit euch beiden.

Text und Bilder: Dominik Bartenschlager

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