Nordspanien & die Flucht nach Portugal

20.09.2016

Unsere diesjährige Nordspanien-Tour startete nach der abendlichen Ankunft in Bilbao stilecht im Baskenland zum ersten Abendessen. Auf heiligem Boden, am Kloster Sao Miguel, ging es am Sonntag dann sogleich in die Luft; nach einer ersten Einflug-Runde kurbelte Michael den allgemeinen Höhenrekord des Tages aus, während Gerd eisern seine Position hielt und die größte Ausdauer bewies.

Rudi flog in einen wirren Geier-Schlauch, wo man sich fragen konnte, wer das Ganze jetzt am erfolgreichsten zentrierte und Rolf fand ein ungestörtes Soaring-Plätzchen unter dem Überhang einer Felswand, wo er sich ungesehen wieder erfolgreich rauf kämpfte. Nachdem alle schließlich am Landeplatz einschwebten, ging’s auf den Nachmittag nach an die schöne Kante von Orduna. Rolf, Thedy und Alex waren nicht zu halten und starteten sofort ihre Soaring-Runde. Der Wind frischte schließlich etwas auf – einige Hartgesottene saßen die Phase oben aus und starteten schließlich noch auf einen Abendflug. Silke hing schließlich als letzte noch ganz einsam bis zur Dunkelheit soarend über der Kante, bis die ersten Sterne leuchteten. Kurz bevor Federico den Landeplatz beleuchtet hätte, schwebte sie schließlich freudig strahlend dort ein und knipste mal wortwörtlich das Licht aus!

Den nächsten Tag zogen wir mit Sack und Pack los, die kantabrische Küste entlang und checkten im hübschen Dörfchen Llanes ein. Hier fühlt man sich nach England oder Irland versetzt und beim Anblick der perfekten Soaring-Ridge war André trotz noch schwacher Brise nicht mehr länger am Startplatz zu halten. Er hatte die Kante ein ganzes Weilchen für sich allein, bevor Thedy, Yvonne, Rudi und Alex ihm Gesellschaft leisteten. Nach den ersten Landungen am Beach und der Feststellung, dass es sich um den FKK-Abschnitt handelte, versenkten sich interessanterweise immer die selben Schirme am Strand…

Als der Wind eher weniger wurde, fand sich ein wanderbegeistertes Trüppchen um Michel und einen netten Spanier, der einen Startplatz an einer hinteren Bergkette kannte und zogen los auf einen Ausflug, während ein Teil die Flaute aussaß. Das geplante Hike & Fly wurde letztendlich ein Hike & Hike, immerhin mit schöner Aussicht und dem guten Gefühl körperlicher Betätigung, bevor sich alle wieder am Beach zur doch noch einsetzenden Meerbrise trafen. André opferte sich als erster, danach ging’s an. Bis zum Sonnenuntergang wurden endlos viele Kurven gedreht, unzählige Toplandungen und Touch and Go’s vollführt und die extrem schöne Aussicht entlang der wild zerklüfteten Felsküste genossen. Ein gutes Fischrestaurant komplettierte den schönen Beachtag.

Text und Bilder: Michael Gebert

Nach so viel Nordspanien entschied das Wetter mal wieder, dass es nun genug war und aufgrund einer von Westen anrückenden Störung machten wir uns auf den Weg gen Westen, nach Portugal, wo wir am schnellsten wieder mit fliegbaren Bedingungen rechneten. Die Fahrt wurde genutzt für einen kleinen Sightseeing-Ausflug in die schöne Altstadt von Salamanca, bevor uns den Abend ein wie immer üppiges portugiesisches Dinner erwartete.
Schon am nächsten Vormittag zahlte sich unser Konfrontationskurs mit dem schlechten Wetter voll aus und wir konnten rückseitig in Linhares zu einem feinen Flugstündchen starten. Die anfängliche tiefe Wolkendecke lockerte zu einzelnen Quellwolken auf und zusammen mit dem Nordwind stellten sich schöne thermodynamsiche Bedingungen ein. Konrad konnte schon fast die Augenfarbe des Burgfräuleins erkennen, als er einen starken Thermikschlauch fand und bis zur Basis aufdrehte; Paul kämpfte wegen den recht frischen Temperaturen eher um wieder eine Etage tiefer zu kommen. Da der Wind später deutlich zulegte, gab es nach ein paar Starkwind-Technik-Tips die Möglichkeit, sich auf der Wiese unterm Schirm zu verausgaben, bevor wir noch zwei Stündchen in der nahen Stadt Viseu verbrachten, inklusive dortigem Abendessen.

Ein weiteres Mal brachen wir unsere Zelte ab und machten uns auf den Weg nach Chaves, in den Norden von Portugal. Leider ließ uns unser Wetterorakel heute im Stich und der Wind blies deutlich stärker als angekündigt und erwartet. Zumindest war das Wind-Schauspiel sehr beeindruckend und wir ließen uns die starke Brise ein Weilchen um die Nase wehen, bevor wir dann schließlich zum kulinarischen Teil des Tages übergingen – aufgrund der Größe der Fleischportionen eine neue Herausforderung…

Am letzten Tag landeten wir der in Montalegre unverändert kräftigen Windsituation zum Trotz noch einen Volltreffer und gingen an der Kante von Bornes in die Luft. René war als Thermik-Tester als erster unterwegs und schlug sich sehr gut; er markierte einen vorgelagerten Flachlandschlauch nach dem anderen und war bereits über eine Stunde am Fliegen. Die anderen ließen sich nicht lange bitten und bald war der Himmel bunt. Anita und Irene schlugen mit voller Frauenpower zu und kurbelten die noch schwächeren Schläuche perfekt aus; feinste “Damenbärte”. Yvonne drehte eine schöne Runde bis ins benachbarte Dörfchen, grub sich aus tiefsten Tiefen wieder aus, kämpfte eher mit den stoppeligen “Männerbärten” und landete zu guter Letzt aber glücklich und zufrieden auf üppig grünem Rasen im dortigen Fussballstadion. Rudi war lange Zeit verschwunden, fand irgendwann schließlich einen super Schlauch weit draussen und kam zum Toplanden zurück; auch Rolf wurde überall tief über dem Ginster gesichtet und cruiste erstaunlich lange in der unteren Etage umher, bevor er sich in höhere Gefilde aufmachte.

Zum späteren Nachmittag entwickelten sich feinste thermodynamische Bedingungen und nochmals zog es alle in den portugiesischen Himmel. Alex trainierte eine Toplandung nach der anderen und ein Pulk flog im Abendlicht noch die ganze Kante ab. Der schöne Tag fand seinen Ausklang bei guter Stimmung in Chaves im Restaurant der großen Portionen.

Eine schöne „Nordspanien-Woche“, die zur Hälfte dann doch mal wieder in Portugal stattfand, ging zu Ende; viele schöne Plätze, zahlreiche Flugstunden und eine super nette Truppe waren die Garantie auf eine gute Zeit im Norden der Iberischen Halbinsel. Wir freuen uns auf’s nächste Mal!

« zurück
© Developed by CommerceLab