Südfrankreich – herbstliche Haute Provence

13.10.2016

Im Frontwetter verließen wir am Sonntag die Schweiz in Richtung Frankreich, wo uns ein nordwindiges Waschküchenwetter erhalten blieb. Dennoch gab es ein erstes Zusammentreffen des Züricher, Luzerner und Berner Busses und unseren Selbstfahrern zu einem ersten Hallo und auf einen Kaffee in Aspres. Von dort ging es weiter bis nach Digne ins Hotel zum gemeinsamen Blick in die Wetterkarten für die kommenden Tage und zum Abendessen.

Bei bereits wieder völlig blauem Himmel gingen wir am nächsten Tag in St. André am Südstart bei herrlicher Aussicht das erste Mal in die Luft. Während ein Teil der Truppe zum Warm werden gemütlich zum See hinaus segelte, versuchten sich einige in der zögerlich einsetzenden, aber kräftigen ersten „Steinbruch-Thermik“ und kurbelten auf. Später wechselten wir auf den Weststartplatz und viele unternahmen Ausflüge die Kante entlang bis zu den Antennen am nördlichen Ende oder darüber hinaus. Erich und Dirk knüpften erfolgreich nach Süden an, drehten westlich des Sees auf und sprangen gen Osten an die Crete de Serres und flogen diese komplett ab. Erich landete erst nach rund fünf Stunden wiedermal am Boden und auch Dirk war das Dauergrinsen heute nicht mehr zu nehmen. Nach den mittäglichen thermischen Windspitzen von über dreißig Km/h am Startplatz und einem Kaffee am Landeplatz waren wir am frühen Abend wieder rechtzeitig parat. Belohnt wurden wir mit seidenfeinen thermodynamischen Bedingungen und großflächigem Steigen im goldenen Abendlicht; wer später die Sonnenbrille von der Nase nahm schaute sich noch den Sonnenuntergang aus der Luft an, bevor es im Dämmerlicht zum Landeplatz ging.

Einen weiteren Tag zog es uns bei vielversprechender Wetterlage nach St. André. Wir warteten am Weststart auf die einsetzende Thermik, die Erich erfolgreich als erster anzeigte und anfangs ganz allein über dem Steinbruch im Himmel hing. Christian, Wolfgang, Sepp und Ernst ließen sich folglich nicht lange bitten und waren schnell zur Stelle und zogen gen Norden los, die Kante entlang. Nach und nach startete die ganze Truppe und der Himmel zwischen Startplatz und Antennen wurde bunt. Trotz einer angesagten nordwestlichen Höhenströmung war bis auf rund 2700 m wenig Wind zu spüren, dafür für „Herbst“ noch recht sportliche Steigwerte von über 5 m/s zu finden – demzufolge versprengten sich unsere Streckenausflügler in verschiedenste Richtungen… Erich flog zuerst nach Norden, cruiste mit Adlergesellschaft den Cheval Blanc entlang, kam zurück und landete für eine kurze Pause nochmals ein, bevor er weiterflog und erneut an die Crete de Serres wechselte; Christian und Dirk meisterten den Cheval Blanc und sprangen die Westflanken des Tals von Thorame entlang, bevor sie für ein gemeinsames Landebier bei Thorame Haute landeten. Wolfgang und Urs erkundeten die Landemöglichkeiten im schönen Talkessel von Lambruisse und Reto und Bruno fanden sich im Talschluss von Moriez wieder. Sepp und Ernst zogen vom Cheval Blanc aus erfolgreich gen Westen und flogen heimwärts; Sepp schloss seine offene Rechnung von letztem Jahr und meisterte die Strecke direkt bis an die Stadt, Ernst landete in Sepp’s damaliger Wiese und traf als Mitfahrgelegenheit zwar nicht die erhofften zwei Französinnen, aber einen sehr netten Bauern, der ihn direkt vor’s Hotel fuhr. Aber auch die weniger Streckenmotivierten konnten eine feine Flugzeit ganz lokal in der Thermik oder entlang der geschlossenen Kante genießen. Nach ein paar Starkwind-Tips am Landeplatz und nachdem die Rückholbusse von Kirsty und Tini wieder da waren, ging’s ein weiteres Mal zum Abendflug nach oben und es wurde gesoart bis die Sonne verschwunden war. Mit guter Stimmung ging’s im Ort in die dortige Pizzeria für’s leibliche Wohl und das ein oder andere Glas Wein.

Die Nordwestlage intensivierte sich den kommenden Tag, weshalb wir nach St. Vincent schauten. Dort gab es anfänglich gemütlich Zeit für einen Orientierungs- und Sightseeing- Abflug oder für einen Kaffee im Dörfchen, bevor sich die Brise einstellte. Christian, Wolfgang, Sepp und Erich erwischten die ersten Thermikblasen, die reichten um oben zu bleiben und zur Toplandung zurück zu kommen. Später entwickelte sich ein feines Aufwindband, was die meisten in die Luft lockte. Luzi war gar nicht mehr zu stoppen – er startete, soarte ein Weilchen und landete gekonnt wieder top – und das gefühlte tausend Mal! Erich war meist zuoberst und drehte irgendwo sein einsames Thermikbläschen; Jörg, Bruno, Reto, Urs, Jürg und Jürgen zogen ausdauernd ihre Runden über dem Dorf und genossen die schön-kitschige Kulisse von oben. Als auch hier wieder die Sonne untergegangen war und damit erst alle am Boden waren, ging es zurück nach Digne zum leckeren Dreigang-Menü im Städtchen.

Der Donnerstag präsentierte sich recht wolkig und südwindig dank eines frontalen Streifschusses, ermöglichte uns aber einen Ausflug nach Norden, an die schöne Kante von Aspres, wo nach unserer Ankunft allerdings der Wind recht sportlich aufdrehte. Einzig Erich erwischte noch ein schwächeres Startfenster und soarte in ruhigster Luft allein die Kante entlang. Nach einem Wartepäuschen im windgeschützten Lee, um Frostbeulen zu vermeiden, ließ der Wind drastisch nach und alle packten die Schirme aus. Als die ersten am Boden waren, machte sich ein Shopping-Bus südwärts auf nach Sisteron, der zweite später zum dortigen Apero. Dirk, Erich und Christian zogen am längsten ihre Schleifen die Kante entlang, bevor wir uns alle schließlich in Sisteron zum Dinner trafen und wir uns die gute französische Küche schmecken ließen.

Die folgenden zwei Tage blieb uns die Nordwestlage nach wie vor erhalten, dennoch erwarteten wir in St. André gute Flugbedingungen. Wir warteten das thermische Einsetzten am Weststart ab und zügig waren nach dem „Einschalten“ alle am Fliegen. Auf den Nachmittag entwickelten sich Thermik und vor allem Talwind sehr kräftig, was schließlich auch Christian, Dirk, Wolfgang, Dani und Jürgen dann mal zum Landen bewegte, die ausdauernd unterwegs waren. Während ein Teil der Truppe eine lange und lehrreiche Handling-Session am Landeplatz startete, unternahm der andere Teil mit Tini einen Sightseeing-Ausflug in die benachbarte Gorge Daluis mit ihren imposanten roten Gesteinsschichten. Der Abend blieb starkwindig und wir gingen gemütlich zum Abendessen über.

Ähnliche, nur etwas windschwächere Bedingungen erwarteten uns auch am Freitag wieder am Weststart. Raffi, Sandra, Hugo, Jürgen und Jochen bewiesen ein gutes Timing und kurbelten in den ersten Thermiken auf. Die anderen folgten und ein Teil zog erneut die Kante entlang. Streckenaufgabe des Tages war von den Antennen aus nach Westen zu queren und die westlich vorgelagerte Kante zurück zu fliegen – eine kleine, aber optisch reizvolle und aufgrund der nicht so großen Ausgangshöhe gar nicht einfache Idee. Christian landete dazwischen erst nochmal top, um die Aufgabe noch einmal theoretisch durchzugehen, bevor er sie souverän abflog. Jörg und Urs meisterten erfolgreich den Sprung an den Cheval Blanc, wobei sich ersterer bis zum Landeplatz zurück arbeitete, während Urs einen Abstecher ins Thorame-Tal unternahm und in Thorame Haute in einer Bar gut gelaunt das Rückholtaxi erwartete.
Auch der mittlerweile schon obligatorische Abend-Sunset-Flug war uns ein weiteres mal vergönnt und wirklich erst kurz vorm Dunkel werden schwebten die letzten am Landeplatz ein.

Am Sonntag starteten wir nach dem Frühstück nordwärts und brachten erstmal einige Kilometer Richtung Schweiz hinter uns. Einen fliegerischen Stopp legten wir in Annecy ein, wo für alle nochmal ein paar Thermikkreise möglich waren, bevor wir nach großer Abschiedsrunde den Weg nach Bern, Luzern oder Zürich fortsetzten.

Eine schöne Tour ging damit zu Ende; viele Flugstunden, schöne Ausblicke, eine allseits gute Stimmung und die leckere Küche der Region komplettierten eine feine Woche. Wir freuen uns schon auf nächstes Jahr.

Text: Verena Siegl
Bilder: Verena und Christina Siegl

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