Viva Argentina

07.01.2016

Das weite Land der Gauchos ist über Neujahr zu unserer neuen Destination geworden.

San Miguel de Tucuman
Nachdem wir uns in Cordoba gesammelt hatten, starteten wir wegen der Wetterlage gleich nach Norden. San Miguel de Tucuman stand als erstes auf dem Plan. Schon bei der ersten Fahrt dorthin, war für jeden Mitteleuropäer klar, dass Dimensionen, Weite und Einsamkeit hier anders aussehen als bei uns!
Gleich am Nachmittag konnten wir noch eine ruhigen Flug unternehmen und das Gelände kennenlernen.

Ein Traumhafter Startplatz mitsamt Bar und gepflegtem Rasen in schöner grüner Umgebung lädt dort zum Verweilen ein und erinnert sehr stark an südbrasilianische Startplätze. Das erste gute Steak wurde am Abend auch in Angriff genommen und wir genossen die Nachtwärme in der lebhaften Stadt Tucuman. Auch an den veränderten Tagesablauf muss man sich kurz gewöhnen, der Argentinier kommt immer erst nachts wieder aus dem Haus und so füllt sich die Plaza immer erst sehr spät und dann aber richtig.

Die nächsten zwei Tage verbrachten wir dann bei verschieden Bedingungen in Tucuman. Von sehr ruhig bis sehr bewegt war alles geboten. Auf jeden Fall stellte jeder seine Null-Wind-Startfähigkeiten unter Beweis; Andreas war immer der erste in der Luft und in der Thermik und wir stellten fest, dass es immer erst richtig gut ging, wenn das Team Ober/Mittelfranken schon vom Bier träumte oder daran schnupperte. Rolf kreuzte über die ganze Ebene und die weite Fläche der Stadt von Tucuman, Res drehte an Loch 8 des Golfplatzes wieder auf, nachdem er schon fast in dem selbigen gestrandet wäre und jeder hatte seine ersten argentinischen Flugstunden auf dem Konto. In der lokalen Bar wurde dann von Ursi und Eric noch das Getränk „Dr. Moijto by Dr. Lemon“ entdeckt und die „Flugnachbesprechung“ fand somit meist unter diesem, vom Hause verordneten Kurgetränk statt und entwickelte sich zum Gruppenschlager.

Catamarca/ Portezuelo
Am Abend zogen wir noch weiter Richtung Catamarca. Dort wartet die perfekt geformte Kante von Portezuelo darauf beflogen zu werden. Die wirklich traumhaft gelegene Unterkunft mit Blick in die Anden und direkt am Startplatz entschädigt etwas für den rustikalen Stil. Leider sieht man hier wie so oft im Land, dass im Moment viele nichts machen, nichts renovieren oder einen Servicegedanken im Kopf haben. Wie die argentinische Wirtschaft und die Regierung, so schwankt vieles in diesem Land…
Nachdem wir schon kaum noch Hoffnung hatten, drehte der Wind doch noch und erlaubte es fast allen zu starten, bevor es wieder zu stark wurde. Diese wurden dann mit einem super Blick über die Kante, die gegenüberliegende Andenkette und das weite Flachland belohnt. Fliegen wird einem hier manchmal nicht geschenkt, es ist alles ein bisschen grösser, stärker und mächtiger als in heimischen Breiten! Dafür wird man dann aber auch richtig belohnt mit intensiven Flügen und Erlebnissen.

La Rioja
Am selben Tag noch zogen wir weiter, um in La Rioja am Nachmittag noch einen Flug zu machen. Sofort merkt man wie die Landschaft sich markant verändert und die Kakteen zunehmen, bzw. das Grün weniger wird. In der Ebene sieht man unendliche Olivenpflanzungen und die Berghänge werden schroffer und trockener. Die meisten schafften es noch vor dem einsetzenden Nordwind in die Luft zu kommen und konnten einen perfekten Abendflug über die wilden Bergreliefs von diesem Gebiet starten. Hier hat die Zeit unendlich viele Gräten geformt, die speziell im Abendlicht sehr magisch aussehen. Der Landeplatz direkt am Stadtrand lädt dann immer noch direkt zum Besuch der „Cuba Bar“ ein, in welcher zwar kein Dr. Mojito gefunden wurde, aber gleichwertiger Ersatz.

Den letzten Tag des Jahres 2015 konnten wir fliegerisch dann erst am Nachmittag starten, da ein starker „Berg-Anden-Fallwind“ vorher alle Hoffnung zunichte machte. So gab es einen kurzen Ausflug in den Dino Park. Hinter Sanagasta wurden versteinerte Dino Knochen und Eier gefunden und jetzt findet man dort einen informativen Park über unsere Vorgänger. Die leichte „Wärme“ hielt uns dann davon ab, dieses Thema weiter zu verfolgen…
Am Nachmittag dann Deluxe Bedingungen in La Rioja. Soft ging es über alle Gipfel bis die Sonne weg war und erst wer nicht mehr wollte ging zum Landen. XC Fliegen ist hier zwar verlockend, wird aber einfach durch die extreme Einsamkeit, wenig Strassen und keine Verbindungen vereitelt. So blieb freiwillig jeder irgendwie in Reichweite oder sicherer Höhe um nicht in der argentinischen Pampa zu verschwinden!
Das nächtliche Menu wurde dann von einer kleinen Truppe noch verlängert und auf einer richtig guten Party wurde bis knapp in den Sonnenaufgang ins neue Jahr getanzt. Nähere Einzelheiten bleiben wie immer in der „Familie“!
Das Neue Jahr fing genauso an wie das Alte aufgehört hatte: fliegend. Die Morgentruppe war pünktlich um 11 Uhr startbereit und es ging ab an die Basis. Meist legt man hier dann eine Siesta Pause ein und steht um 16 Uhr wieder an der Rampa. So machten wir das hier auch und zum schönen Nachmittagsflug war dann auch die Partyabteilung wieder vollzählig versammelt.

Famatina
Der starke Wind vereitelte den Morgenflug in La Rioja, so dass wir in unsere nächste Destination starteten. Famatina – ein kleines Dorf liegt auf 1500 m und bietet einen wirklich imposanten Startplatz über ein wüstenartiges Tal. Die Kulisse die sich hier bietet ist sehr beeindruckend. Im Hintergrund die 5000m hohen, leicht gezuckerten Andenketten, dann das grüne Hochtal von Famatina und das vorgelagerte „Wüstental“ bieten eine spektakuläre Kulisse. Nachdem schon keiner mehr an Fliegen glaubte, entwickelte sich am Abend wie so oft die „Magic Breeze“ von Famatina und in softestem Aufwind konnten alle das Gelände kennenlernen. Verstärkt wurde die ganze Szenerie noch durch ein wildes Wolkenintermezzo in verschieden Lagen und Stärken. Gelandet wird hier meist auf der Hauptstrasse, welche am Fuss der Kante entlangläuft, da das Verkehrsaufkommen stark in Richtung „nichts“ tendiert. Glänzende Augen und Erwartungen für den nächsten Tag standen am Abend in allen Gesichtern.

Da es in Famatina nur wenig und kleine Unterkünfte gibt, sind wir hier auf verschiedene Häuser verteilt und versuchen gerade die „Frühstücksrevolution“ anzuzetteln. Eine schwierig zu verstehende Sache für uns „Frühstücksmenschen“; der Argentinier isst nur einen kleinen Keks und trinkt eine Tasse Kaffee. Das ist dann für die meisten hier doch etwas dürftig, aber wir arbeiten gerade daran und werden meist erstaunt angeschaut wenn man von einem Rührei am Morgen spricht. Immerhin wurde es in manchen Häusern schon übernommen…

Hier in Famatina kann man ab ca. 8 Uhr am Morgen starten, und schon bald setzten dann auch die ersten Thermiken ein. Rolf zeigte mit Instinkt, Erfahrung und Hartnäckigkeit, dass es wirklich schon so früh ging und rettete sich bis in die stärkeren Bedingungen. Die Ober/Mittelfranken- und Unterallgäu-Gang kratzte bald auch schon über alle Gräten und war erst nach drei Stunden aus Durst- und Hunger-Gründen wieder am Boden. Regula konnte hier perfekt ihre Lieblingshöhe halten und wenn es zu hoch ging, einfach rausfliegen um dann tief wieder einzusteigen; Ann fräste die Kante hoch und runter und Eric landete auch erst nach drei Stunden direkt am Schattenbaum mit „himmlischem Segen“. Der Nachmittag wurde dann von einem mächtigen Gewitter bestimmt, aber so waren wir früher zum unglaublich leckeren Assado samt besten Beilagen und Wein in Marcellos „Pampa Baracke“ und wurden vom Feinsten versorgt. Der lustige Abend endete dann erst nachdem klar wurde, dass die schweizer und deutschen Herren wohl keine guten Tango Partner für die argentinischen Damen abgeben würden und allen langsam die Augen zu vielen…

Der Morgen startete wieder früh und perfekt. Um 8:30 in der Luft wurden wieder in allen Gräten und Canyons Schirme gesichtet und der Local Marcello freute sich über den bunten Himmel in seinem Fluggebiet. Auch heute wurde wieder geflogen bis der Akku voll war. Irgendwann geht dann immer auch das weite Flache davor und überall sah man nach kurzer Zeit die verteilten Schirme fliegen.

Am Abend wurde der Versuch dann bald vom heranziehenden Gewitter vereitelt und alle die gestartet waren sind schnell am Boden gewesen. Wenn man den Theorien Glauben schenken mag, dann ist dieses “El Nino” Jahr geprägt von viel Feuchtigkeit und Energie, was man hier in den Anden speziell an sehr vielen und starken Gewittern zu spüren bekommt, welche nicht unbedingt typisch sind für diese Zeit.

La Mejicana
Wir entschlossen uns heute den Angriff auf die alte Goldminenregion La Mejicana zu starten. Dort besteht die Möglichkeit, von 4500m zu starten und bis ins Tal zu segeln. Früh um 5 Uhr ging es verschlafen los und in vier Jeeps fuhren wir auf wilder Piste bis kurz unter den Gipfel. Bald war klar, dass an Fliegen nicht zu denken war, da die Wolkendecke tiefer hing und keinen Blick ins Tal freigab. So wurde die Region zu Fuss und mit dem Jeep erkundet. Wir konnten in die Minen gehen, die Guanakos liefen an den Hängen entlang und es gab viel zu sehen und zu entdecken.

1904 wurde von einer englischen Firma diese Mine in Angriff genommen und aufgebaut. Eine endlose Seilbahn wurde vom Tal bis in diese Höhe gebaut, um das wertvolle Material nach Chilecito zu befördern. Noch heute stehen die Original Dampfmaschinen auf 4500m Höhe in der “Bergstation” und endlose Minen-Eingänge, Baracken und Werkzeuge lassen einen noch heute erahnen, was für ein rauhes und hartes Leben das dort gewesen sein muss…Auch wenn einige nach der langen Fahrt, der Kälte und dem Kopfweh durch die Höhe etwas gerädert waren, so war es doch ein absolut lohnenswerter Ausflug.

Heute stand wieder Fliegen auf dem Programm. Nach dem nächtlichen Gewitter hing die Basis noch sehr tief, diese wurde aber von der Sonne ziemlich bald gehoben und sehr perfekt geformt. Baasil startete wie meistens mit seinem “Spezialjodler” als erster und war bald nicht mehr allein in der Luft. Da wir heute weiterfuhren war das Flugziel Chilecito, ca 30km entfernt. Sofort machte sich eine Bande auf den Weg und bald waren die ersten dort im “Goal”. Alfred, Andreas, Röbi, Herbert, Stephan, Res und Eric warteten dort auf die nachfolgenden Busse. Und wenn irgendeiner gewusst hätte wo genau es weitergeht, wäre der Flug sicher ausgedehnt worden. Es entwickelte sich ein sehr starker, aber richtig potenter Flugtag. Wie meist ging das Flachland genauso gut wie die Kordillere und alle Wege führten ans Ziel.

Nun ging die Reise weiter nach Merlo, wo wir noch ein paar abschliessende schöne Tage erwarten.

Merlo
Nachdem uns am nächsten Tag erstmal der andauernde Gewitterregen einen Strich durch die Rechnung machte, konnten wir ausgiebig die Reize von Merlo erkunden und geniessen. Viele feine Restaurants, Kaffes, Shops und sonstiges liessen den Tag recht kurzweilig vergehen und ausserdem wurde er bestens zur “Erholung” und zum ausruhen genutzt, schliesslich war man ja immer noch im “Gebertschen Boot Camp” unterwegs;-)

Der nächste Tag lockte uns dann wieder rechtzeitig aus den Federn und wir waren vor allen anderen auf dem Startplatz und vor allem auch am Thermik drehen…Res eröffnete wie so oft die Suche und ging nach dem ersten Basis Kontakt sofort weiter die schönen Gras Ridges entlang. Bald waren alle anderen in der Luft und es gab für alle an verschiedenen Stellen was zu holen. Bald war auch das vorgelagerte Flachland aktiv und es gab noch mal einen richtig schönen und soften letzten Flugtag.

Ein Teil der Gruppe machte sich dann am Abend noch auf den Weg nach Cordoba und der zweite Teil fuhr dann den nächsten Morgen ebenfalls in Richtung Flughafen.

Eine schöne, spannende und abwechslungsreiche Tour, mit sehr verschiedenen Flugbedingungen geht wieder zu Ende. Es sieht schwer danach aus, dass wir die Reise fortsetzen werden und freuen uns auf ein Wiedersehen im weiten Argentinien. Einen Dank and die coole Truppe die sich auf das Abenteuer eingelassen hat und an Juan und Wagner für ihre guten Betreuung und Fahrdienste.

Text: Michael Gebert

Fotos: Michael Gebert, Wagner da Silva

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