¡Viva Argentina! XC Abenteuer

08.01.2018

Argentinien, ein Land was mit einer aussergewöhnlichen Weite, mit unglaublich verschiedenen Landschaften, mit intensiven und schönen Flugbedingungen und den faszinierenden Anden Gipfeln beeindrucken kann. Ein Land welches ständig von einer Krise zur nächsten manövriert, in dem nicht alles gleich funktioniert wie in Mitteleuropa; wer sich auf diese Komponenten einlassen kann wird eine bleibenden Eindruck mit nach Hause nehmen. Und das schafften alle der Gruppe blendend als sie von Còrdoba wieder in die Heimat zurück kehrten.

Zurück zum Beginn der Reise. Dem weihnachtlichen Trubel entflohen, starteten wir fliegerisch die Tage fulminant in Merlo. Eine Kordillere welche sich weit über 200 km von Nord nach Süd erstreckt, mit einem flachen und weitem Land davor, einem recht regelmässigem lokalem Windsystem und einer Basis bis über 3000m boten das Rezept für die ersten Tage.


Schnell waren die Rollen verteilt: Sämu, als klarer Verweigerer vom endlosen “Startplatzgeplapper“ zog beim Hauch der ersten Thermik seine Kreise und verschwand mit den beeindruckenden Kondoren um die Ecke. Natürlich lies sich das niemand bieten. Dominik, ausgestattet mit einer Art „Geheimwaffe“ an seinen Händen und Thomas mit einer unglaublichen Flugstundenanzahl gesellten sich sofort dazu. Die Damen Sonja und Kathrin, zeigten den Herren meist recht schnell dass Thermikfliegen auch etwas mit Gefühl zu tun haben kann, und drehten sie sauber aus. Das Potential zeigte sich sofort auch in Kilometern. Thomas legte am ersten Nachmittag noch schnelle 100 km aufs Parkett. Am nächsten Tag zogen Dominik und Sämi eindrücklich davon, zusammen landeten sie weit im Süden an der Pferderennbahn in Villa Mercedes. Über die zurückgelegten Kilometer tauchten leichte Differenzen auf, aber schlussendlich einigte man sich auf gute 160 km...!
Ein weiterer top Tag folgte, an welchem alle sternförmig ins Flachland ausflogen um sich schlussendlich auf verschiedenen Routen an der Tankstelle zum Landebier trafen. Christian flog die eckigste und weiteste Strecke, perfekt dem Wetter und dem Strassensystem, was nicht gerade üppig ist, angepasst und beendete den Flug auf dem Mittelstreifen der Autobahn, direkt am Rückholauto.
Das fliegenden Team funktionierte sehr schnell sehr gut, was hier unglaublich wichtig ist, da man sich kaum eine Vorstellung von Weite, Einsamkeit und schlechter Netzabdeckung machen kann wenn man es noch nicht gesehen hat. Die „flying tower“ Taktik perfektionierten alle schnell und per Funk wurde über alles informiert. Und wenn gar nichts mehr ging, dann war zur allgemeinen Absicherung Thomas sicher immer noch in der Luft und konnte Auskunft geben!

Nach dem grünen und saftigen Merlo ging es zum ersten Kontrastprogramm über. Warmgeflogen stellten wir uns den Anden und der wilden Berg- und Wüstengegend um Famatina. Im Angesicht der glühenden 5000er wird hier über einer interessanten wüstenhaften Ebene geflogen, die einen manchmal wegen ihrer wilden Strukturen manchmal eher an einen fremden Planeten erinnert. Mit welcher Taktik man hier startete war bis zum Schluss eine ungeklärte Diskussion; Berg oder Ebene, alles fand seine vehementen Verfechter! Schlussendlich führte mal das Eine und mal das Andere zum Erfolg. Als besonderen Willkommensgruss erblühten alle Kakteen in voller Pracht. Ein seltenes und wunderschönes Schauspiel, welches durch feuchte Luft ausgelöst wurde und lauter bunte Punkte in die dürre Landschaft zauberte.


Früh kann und muss hier schon gestartet werden. Die Taktik war recht einfach; Sonja startete, drehte mit den Kondoren auf und alle hüpften hinterher...! Eine eingespielte Vorgehensweise die täglich bombensicher funktionierte! Fliegen in dieser Region ist wirklich eine eindrückliche Veranstaltung, man kann sich schon sehr allein und einsam vorkommen, wenn man mit dem Kondor seine Kreise bis auf über 4000m dreht und relativ wenig Anzeichen von Zivilisation zu Gesicht bekommt. Kathrin führte bald die Kilometermarke „Oase“ ein und so wurde von Oase 1 zu 2 oder 3 geflogen und sich beim landen positioniert. Sämu erfand die Route entlang der „grünen Berge“ auf welcher er unterwegs an den Hängen Alpakas sichtete und welche ihn beim letzten Flug etwas im Stich liesen. Wie es schien war er der Erste, welcher jemals in Santo Domingo gelandet war. Da er sich bei der Landung noch unsicher war, über die Reaktion der Dorfbewohner und ihrer „hühnenhaften“ Vertretung welche sofort zu ihm gesandt wurde, bereitete er sich mental schon auf seine Selbstverteidigungsfähigkeiten vor. Schlussendlich wurde er als „El Campion“ der Reiseleitung übergeben, sein Foto ziert sicher das Dorfzentrum und es wurde gemunkelt man hätte ihm wohl auch den Schlüssel zum Rathaus übergeben....!


Während das Fliegen tagsüber durchaus mit ernsthafter Thermik zu tun hat, so konträr zeigen sich die Abendbedingungen. Wenn sich die satte Hitze der Ebene löst und ein feines softes Aufwindband an die Berge zaubert, dann bleibt nichts anderes übrig, als von traumhaften Bedingungen zu sprechen, welche bis zum Sonnenuntergang genutzt wurden. Einen grossen Dank hiermit auch an Marcelo, welcher den Startplatz hier pflegt und eine ehrliche Freude an Gästen und ihren schönen Flügen hat. Unvergesslich dann auch die abendlichen Assados in seiner „Comandanten Baracke“, welche keinen vergleich zu irgendeinem feinen Restaurant scheuen muss sondern durch die besondere Atmosphäre sicher am längsten in Erinnerung bleiben werden.


Durch das viele Fliegen legten wir einen dringenden „Kur Stop“ in den Thermen von Fiambala ein um die müden Knochen mal wieder richtig auf Vordermann zu bringen. Ein natürliches heisses Wasser, welches aus einem alten Vulkan sprudelt, wurde her in einer abstrakten Fels und Wüstengegend in Becken gefasst und jeder findet die passenden Temperaturen für sich. Nach 5 Stunden planschen bis Mitternacht, war dann auch wirklich jeder weichgekocht und lies uns in dieser Nacht noch tiefer schlafen.

Auf den Fahrten wurden dann mit vollem Einsatz die richtigen Flugtaktiken besprochen; besonders zwischen Sämu und Dominik entstanden gewisse Konflikte über „tropfende Gräten“, „diagonale Querungen“ und „ Kurvenlage im Schlauch“. Es entstand eine kaum zu bändigende Diskussion, welche komplett ausser Kontrolle zu geraten drohte und nur durch den sensiblen Einsatz von DJ Sonja mit dem abspielen der neuesten und ältesten Apres Ski Hits inkl. Helene Fischer leicht gelöst werden konnte. Der gezielte Einsatz der „Cerveza Happy Hour“ konnte dann die letzten Unklarheiten noch beseitigen. Nur die abschliessende Frage nach der Richtigkeit konnte nicht geklärt werden, somit wurde sich zum „High Noon Duell“ im Jura verabredet um alles schlussendlich und final zu klären...!

Natürlich flogen wir zwischen den Diskussionen weiter...Top Tage in La Rioja, Thomas der wieder 7 Stunden die Berge abflog, softe Nachmittagsaufwinde die schlafend zu nehmen waren, eine taktische „Meisterleistung“ unseres XC Gespanns, welche bei Abschattung und Gegenwind zum Ausflug ins Flachland aufbrachen, was ausser einem verstörten Anruf vom Airport aber nichts einbrachte. Der arme Tower Mensch traute wohl seinen Augen nicht ganz, als er den einzigen Flieger am Tag erwartete und schliesslich zwei Sigmas anstatt der Maschine sichtete. Aber auch das konnte schnell und unbürokratisch gelöst werden!

Zum Abschluss gönnten wir uns noch einen Ausflug ins fliegerische „Paradies“; in Tucuman erwartete uns ein rasierter grüner Rasenplatz, eine Bar am Startplatz die feinste Lomitos servierte und ein Hauch von Aufwind zum starten. Für die einzige Unsicherheit sorgte die Bekleidung unseres Teams. Der Präsident höchstpersönlich wollte alle stoppen da er sich Sorgen machte ob mit dieser Bekleidung zwecks Überhitzung der Flug überstehen sei, bzw. spätestens bei der Landung ernsthafte Probleme auftauchen würden....! Aber mit ernster Miene und eisenhartem Willen wurde auch das durchgezogen, selbst Dominik dachte nicht eine Sekunde daran seine Polar erprobten Handschuhe auch nur einmal aus zu ziehen!

Eine intensive und schöne Zeit die wir in Argentinien verbringen durften, mit einer satten Flugausbeute, Thomas war praktisch 50 Stunden am Fliegen, mit vielen Kilometern, mit sehr viel schöner Einsamkeit und vielen Eindrücken. Ein Dank an die humorvolle und harmonische Gruppe und wir kommen wieder!

Und vielen Dank an Kathrin für die schönen Bilder von der Basis bzw. aus der Luft.


Text:   Michael Gebert
Fotos: Kathrin Guldimann, Michael Gebert

« zurück
© Developed by CommerceLab