XC Fliegen in Litauen

01.07.2019

XC Windentour Litauen 2019

Wenn man an Litauen denkt, kommt einem vielleicht nicht als Erstes Gleitschirmfliegen in den Sinn. Nachdem wir aber schon im letzten Jahr nur positive Erlebnisse sammeln konnten, waren wir dieses Jahr wieder am Start. Das kleine Land fasziniert nicht nur durch seine flache, abwechslungsreiche Landschaft, durch die vielen Seen welche wild durchs ganze Land verteilt sind, durch die „Pippi Langstrumpf Idylle“ der kleinen alten Holzhäuschen im Land, durch die kleine feine Hauptstadt Vilnius, in der das Leben pulsiert; sondern sie bietet auch feinste Flachlandflugbedingungen in entspannter Umgebung. Hier ist ausserdem die Heimat von parawinch, den Winden, mit welchen wir seit Jahren auf der ganzen Welt unterwegs sind. Somit eine naheliegende Angelegenheit sich durchs Land schleppen zu lassen. Davon abgesehen ist das auch die einzige Möglichkeit hier dem Fliegen nachzugehen, von ein paar kleinen Dünen am Strand abgesehen. Die litauischen Piloten nutzen das gute Flugpotential der Region schon lange und legen immer wieder beeindruckende Strecken vor.

Unsere Gruppe, gespickt mit alten Profis aus dem letzten Jahr, bzw. schon mit Windenerfahrung von diversen Brasilientouren, und kompletten Neulingen am Seil, legte sofort hochmotiviert los. Der erste Tag wurde zum „Einfliegen“ am Seil genutzt und sofort war jedem klar, dass es sich hier nicht um ein grosses Hexenwerk handelt, sondern um eine extrem entspannte Art und Weise, um im Flachland sicher und entspannt in die Luft zu kommen. Vorausgesetzt die Windenfahrer verstehen ihren Job und die Winden laufen gut. Mit diesen Problemen mussten wir uns allerdings nicht beschäftigen.

Von Beginn an stellte sich heraus, dass alte Wunden aus dem Vorjahr wieder aufbrachen und Sami und Thomas ihren erbitterten Kampf um die weitesten Flüge fortsetzen mussten. Es wurde mit allen Mitteln gekämpft, mit ungewissem Ausgang...
Ziemlich bald stellte sich ein neues Problem ein: der Flachlandhimmel geizte dieses Jahr mit seinem Schmuck in Form schöner Cumuli. Doch spätestens nach dem zweiten Tag und diversen Taktikbesprechungen war klar: wer braucht schon Wolken! Es war wirklich schön zu beobachten, wie jeder seinen Flugstil und vor allem seine Beobachtungen anpassen konnte und die Flüge länger und länger wurden. Die Pläne, wo und wie sich die Thermik entwickelt und ablöst gingen mehr und mehr auf. Da das Land ja nicht riesig ist, reichten die Grenzen bald auch nicht mehr aus und Marco stellte sich als zuverlässiger „Grenzgänger“ heraus, egal ob es nach Polen oder Lettland ging, er führte die Fluchtgruppe meist an und hatte den Schlüssel fürs Flachlandfliegen bald gefunden. So wurden die Tage perfekt für viele Kilometer genutzt. Kathrin entwickelte sich zur Thermiksuchmaschine und wurde von den Herren vornehm immer nach vorne geschickt, oder mutwillig verheizt... Man weiss es nicht so genau. Die low safe Eigenschaften eines jeden wurden bis zur zweifachen Baumhöhe ausgereizt, wobei sich manche erstaunlich lange unter dem Radar bewegten. Thomas‘ Aufzeichnung seines 130 km Fluges erinnerte eher an die vierfache Besteigung des Matterhorns mit jeweiligem kompletten Abstieg auf der anderen Seite, Sami wurde mehrfach für tot erklärt, aber tauchte doch wieder auf, Fabian konnte mit seiner überlegten Taktik punkten und Sepp als alter Litauen Crack legte seine gewohnte Konstanz an den Tag.

Somit waren es schlussendlich nicht nur viele Flüge zwischen 80 – 130 km, sondern auch ein wirklich gutes Trainingslager fürs Flugfeeling. Diese Art der Fliegerei in dieser Region zählt mit Sicherheit zu den sichersten und entspanntesten XC Bedingungen, die man finden kann. Wieder eine coole Reise, die mit schönen Flügen und guter Stimmung in Erinnerung bleiben wird. Von allen, welche das erste Mal in Litauen mit dabei waren, bleibt meist der Satz: „So schön hätte ich mir das nicht vorgestellt!“

Die letzten zwei Tage verbrachten wir an der litauischen Küste, entweder beim Spiel mit dem Wind oder liessen uns im Original James Bond Parawinch Boot von Oberagent und Captain Egidijus durch die Lagune und Kanäle zum Nachtessen fahren.
Danke auch an Gediminas und Egidijus für die gute Zeit, wir freuen uns aufs nächste Jahr!

Text: Michael Gebert
Bilder: Gediminas Zuolys, Michael Gebert

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