Azoren 2 - Fliegen auf der Nordseite von Ost bis West

03.07.2018

Unsere zweite Woche auf den Azoren startete fliegerisch mit der häufigen tiefen Basis und als diese etwas auftat begaben wir uns ganz nach dem Motto “mal schauen, auf welcher Seite der Wind von vorne kommt“ auf den Pico Barrosa. Eine östliche Brise und eine tolle Aussicht in den Kratersee erwarteten uns, allerdings zeigten die Wolkenlücken wenig Erbarmen. Willi flog gerade noch so Richtung Norden durch die kleiner werdende freie Stelle nach draussen; Ruedi hingegen genoss ein feines kleines Soaring am Kraterrand über der Lagune, umrahmt von tiefen Wolken. Auch Ritschi und Res taten es ihm gleich und landeten schließlich am Hang und zum freiwilligen Fußmarsch am Rand des Sees unten ein. Wir zogen um. Eine breite, absinkende Basis bedeckte nun nahezu die ganze Insel - die ganze? Nein, ein kleines Fleckchen im äußersten Osten schimmerte in der Sonne…nichts wie hin. Der schöne frisch gemähte Grashügel bei Nordeste vergönnte uns noch einen schönen Nachmittag mit thermischen Bedingungen. Einzig aufgrund des geringeren Höhenunterschieds gestaltete sich das Ganze etwas selektiv; Marco flog gefühlte 3 Stunden durch die Gegend und viele drehten auf und kamen zum Toplanden. Naja und von ein paar wenigen wurde es nicht der Lieblingsplatz…;-)

Trotz anfänglich geringer Erwartungshaltung entwickelte sich der Dienstag zu einem super Flugtag. Die Lagoa do Fogo war unser erstes Ziel; anfangs gingen wir vom Nordstart, dann vom Nordoststart in Richtung Lagune in die Luft. Die Basis draussen ermöglichte schöne Ausflüge durch die Ebene und alle konnten sich eine oder mehr Flugstunden gut schreiben. Res und Ritschi gingen auf Strecke gen Westen, Marco segelte zum Beach in Ribeira Grande und wer nicht weg flog cruiste in der Thermik am Kraterrand umher.
Später zogen wir weiter, da der Wind etwas zulegte und die Basis den Barrosa wie so oft anfing einzuhüllen. Bei perfekten Bedingungen galt es nun, die flache Startstrecke von Valados zu meistern. Anfangs schwächelte es thermisch noch und einige waren vom Startplatz aus schon nicht mehr zu sehen, bevor Res unter den kleinen Wolken draussen einen super Schlauch eröffnete und einer nach dem anderen wieder auftauchte, bis schließlich die ganze Truppe wie im Wettkampf in dem Schlauch gemeinschaftlich aufdrehte. Mit zufriedenen Gesichtern klang der Tag in Ponta Delgada im Restaurant und nachher in einer der Bars aus.

Die einzige Möglichkeit, den letzte Woche häufig beflogenen Krater von Sete Cidades zu befliegen, ergab sich am folgenden Tag. Zwar anfänglich etwas wolkig und bei Gian als „Dummy“ zäh beginnend, stellten sich aber noch sehr gute thermodynamische Bedingungen ein und wiedermal war die Truppe geschlossen in der Luft und segelte den Kraterrand ab. Als letzte kam Sue völlig strahlend zum Landen; einmal durch den nahezu längsten Flug ihrer Karriere und aufgrund des so spektakulären Szenarios. Da der Wind zulegte, segelten wir schließlich noch in Mosteiros am Kraterrand zur Küste hinunter. Trotz schönen Quellwolken ging aber nicht viel und so ließ sich lediglich die Aussicht auf die schwarzen Felsen und ein neuer Platz genießen. Zeit, die sich besser in den Natur-Meeres-Becken im kühlen Wasser nutzen ließ.

Ein kleiner Frontausläufer streifte uns am Donnerstag mit zügigem Wind, einer nochmals tieferen Basis und immer wieder lokalen Schauern. So entschieden wir uns für ein echtes „Touristen-Programm“, was aber mehr als lohnend ist! Die rauchenden Fumarolen in Furnas mit ihrer wenig attraktiven Schwefelnote rufen einem wieder in den Kopf, dass man auf einem rein vulkanisch entstandenen Fleckchen Erde steht. Im Anschluss ging es ins herrlich warme Wasser der Thermalquellen im Ort auf kleine Kneippkur von einem Becken ins nächste. Der Rückweg führte uns zurück auf die Nordseite der Insel für einen Wettercheck am Startplatz von Maia, wo die Richtung allerdings nicht passte. Aufgrund der Brise wagten wir noch einen Blick nach Mosteiros, aber wie es manchmal so spielt, war der Wind dort passend für den Platz wo wir herkamen und anders herum. Plan B war ein Apéro daheim, gefolgt vom Restaurant in Ribeira Grande, zum lang angekündigten extrem leckeren Thunfisch essen.

Nach dem gestrigen einzigen „Ausfall“ war das „Hufe scharren“ tags drauf groß. Ein strammeres nördliches Lüftchen sollte uns die letzten beiden Tage beschäftigen. Wir zogen mal los auf die Nordseite, hielten die Nasen in den Wind und erwischten das noch startbare Fenster an der höchsten unserer Möglichkeiten. Valados erlaubte uns eine feine Flugrunde draussen über den kleinen Dörfchen, solang man die Basis Basis sein ließ, wovon sich der ein oder andere überzeugte und dem beipflichtete…;-) Im Anschluss wurde der Wind an dem flachen Startplatz zu stark und nachdem wir uns dies eine Weile angeschaut hatten und mehr und mehr durchfroren dank der Nordbrise, kam ein heisser Tee in der nahen Fabrik ganz gelegen, inklusive dem Marsch durch die Verarbeitungshallen. In Maia kamen wir dann schließlich wieder in die Luft - HP erledigte diesmal den „Dummy-Job“; die Windrichtung ermöglichte zwar nur lokales Fliegen an der kurzen Kante, aber klein und fein. Auf den Abend lockerten die Wolken auf und das immer goldener werdende Licht lockte uns nochmal zum Abschluss nach Valados, wo wir in perfekter Brise nochmals auf eine super schöne Abendrunde starteten. Feinste ruhige Thermik ließ den Flug zu einem weiteren Highlight werden und man konnte die wilde Küstenlinie über der Steilklippe hoch aus der Luft erkunden.

Der Samstag präsentierte sich etwas windiger und somit beschränkten wir uns heute auf die tieferen Startplätze. Marco war der erste, der in Maia den Wind-Check absolvierte. Zwar nicht arg schnell aber dafür hoch segelte er, sofort gefolgt von Ruedi, Ritschi, Bruno und Stefan, Kilometer um Kilometer die imposante Steilklippe gen Osten ab. Der Wind ließ noch etwas nach, sodass schließlich alle folgten und bis zum späteren Nachmittag war reges Treiben am Startplatz. Starten, Klippensoaren, Toplanden solange jeder Lust hatte. Allgemein gesättigt hatte zuletzt Sue die Kante für sich allein und bestritt unter aller Augen erfolgreich eine Toplandung, da sich ein kleiner Schauer vom Meer her anbahnte.
Zu guter Letzt warfen wir noch einen Blick an den Beach von Ribeira Grande, wo lediglich eineinhalb der Truppe nochmal in die Luft gingen - Marco soarte noch ein Weilchen, HP’s Flug zählen wir mal nur halb…;-) Der Abend klang gemütlich im Städtchen in Restaurant und Bar aus.

Auch diese Woche endete eine coole und erneut flugreiche Insel-Tour; zahlreiche Flugstunden an vielen verschiedenen Plätzen trotz des dominierenden Nordwinds, viele lustige Geschichten und und eine wirklich gute Zeit! Danke an die voll motivierte wie entspannte Truppe; es hat sehr viel Spaß gemacht! Eines ist sicher, die Azoren sehen uns wieder!

Text: Verena Siegl, Fotos: Federico Kutscheidt, Verena Siegl

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