Bulgarien - Sonnenblumen, Thermik und Cumuli

09.08.2017

Das Wichtigste wohl zuerst: Aufgrund seiner mehrmaligen Teilnahme am bulgarischen „Be happy you survived“ Camp wurde Rafi M. direkt zu Beginn von den bulgarischen Sport-und Tourismusministern Pablo und Patrik mit dem silbernen Ehrenteller und der goldenen Medaille für besondere Verdienste ausgezeichnet. Auch wir gratulieren natürlich herzlich. Neben dieser überaus wichtigen Personalie waren wir natürlich auch zum Fliegen vor Ort!

In ganz Bulgarien spürt und sieht man wohl im Moment den Kontrast der Zeit. Der “Charme“ des aufgegebenen Kommunismus, in Form von verlassenen Industrieanlagen oder „wunderschönen“ Plattenbauten, den Aufschwung und die Hoffnung der Zukunft in Form neuer Fabriken und Supermarktketten und die Vermischung des Pferdefuhrwerks, welches zum Verrichten der täglichen Arbeit benötigt wird, sowie dem neuen SUV mit den breitesten Schlappen die es auf dem Markt zu finden gibt…

Auf eines war Verlass und das war die Zugkraft der Cumuli auf dem Weg nach oben! Nach kurzen Versuchen, dem Wochenendwetter ein fliegerisches Fenster zu entreissen, wurde es dann zusehends besser und schon bald konnten wir in echtem Thermikwetter unsere Kreise drehen. In der Region um Vratsa ging es an den Start. Während Beat die definitive „Abflugroute“ des flachen Startplatzes festlegte, wählte Christian die definitive Cumuli-Route Richtung Donau und Rumänien und zeigte was dort zu holen ist. Erst nach 85 km war der Tag zu Ende. Auch Enrico, mit frischem Trainingsvorsprung aus Mazedonien angereist, war unter seinem Ion nicht zu stoppen; es gab während der ganzen Woche nur ein Motto: Starten, aufdrehen und abhauen… Das wurde knallhart und meist sehr erfolgreich durchgezogen. Ausserdem glänzte Enrico durch aussergewöhnliche Baumpflege-Fähigkeiten, wodurch ihm die Ehre der botanischen Auszeichnung durch den „Shumen- Wald- Minister“ zuteil wurde.
Thomas, wie immer eine konstante am Himmel, umflog die Stadt, checkte den Norden und Osten und tauchte nach 5 Stunden Flugzeit wieder vor dem Startplatz auf. Selbiges Projekt vervollständigte er natürlich auch in Sopot.

Feingefühl präsentierten natürlich die Damen; Mirjam und Claudia zeigten den Herren schnell, dass man mit der richtigen Technik auch bei wenig Wind und flachem Startplatz erstens gut starten kann und dass man mit einem Alpha und einem Pi auch alle ausdrehen kann!
Die Gegensätze zwischen der natürlichen Bergwelt und den verlassenen Fabrikschloten verliessen wir dann in Richtung Osten um uns ans „echte“ Flachland zu wagen. Dort erlebte Michael wohl den Flug seines Lebens, der ihm noch mehrere Tage das Grinsen ins Gesicht zauberte. Kurz nach dem Start kreuzte er kurz noch einigermassen wehrlos durch den 6 m Schlauch, was seinen Schirm zu allerlei merkwürdigen Formen veranlasste. Als er sich besann, dass man in so etwas auch kreisen kann, fand er sich wenige Minuten später direkt an der Basis wieder und startete zu seinem ersten Flachlandabenteuer…

Stephan, Alex, Patrick und Christian zogen ebenfalls Richtung Westen davon und kamen in den Genuss eines perfekten Flachlandes mit schönen Wolken, viel Platz und wunderbaren Bedingungen.

Auch Mirjam und Pablo hörte man kurze Zeit später am Funk, wie sie motiviert ihrem Alpha und Mojo die Sporen gaben und über Shumen hinwegzogen. Ein paar andere kosteten die „bittere Pille“ Flachlandfliegen; Lust und Frust liegen bei einem Startplatz von 150 Meter Höhendifferenz nah beieinander und genauso schnell wie man an der Basis ist, kann man noch schneller direkt am Boden stehen…
Der letzte Tag entschädigte dann alles; Sopot wartete mit allem was es dort zu bieten gibt auf: perfekter Startplatz, feinste Cumuli, schöne Bedingungen an den Bergen und genauso die Möglichkeit ins Flache zu fliegen: Fliegen satt, was auch reichlich genutzt wurde. Dirk zeigte, wie tief man auch dort wieder aufdrehen kann, als er wie Phönix aus der Asche aus Baumhöhe am Landeplatz wieder weit über dem Startplatz auftauchte, Rafi führte die Gang Richtung Sofia an und koordinierte am Funk die Landemeldungen der Gestrandeten auf dem nächsten Pass dorthin.

Somit hatten wir eine spannende und abwechslungsreiche Woche, welche wir am letzten Abend zu bulgarischer Tanzmusik schön ausklingen lassen konnten.
Wir freuen uns aufs nächste Jahr, wenn es von Nikolai mit einem bulgarischen English Akzent wieder heisst: „be happy you survived!“

Text und Fotos: Michael Gebert

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