Chamonix - Paraalpinismus

08.09.2015

Premiere in Chamonix. Zum ersten Mal ging es Ende August ins Mekka des Alpinismus. Des Croissants. Des PocoLoco Burgers.

Eine kleine, buntgemischte, aber hochmotivierte Gruppe bezog Quartier im Chalet – um sich dort erst einmal nicht mehr aufzuhalten. Das Wetter war gut, die Schneeverhältnisse ideal. Also gleich los, Akklimatisierungstour auf den Dômes de Miage, 3673m. Hüttenzustieg im Sonnenschein, Picknick mit Baguette, Nachtruhe im Lager der Conscrits Hütte. Gleich mal Alpinismus Luft schnuppern.

Nach ein paar Stunden Schlaf ging es früh weiter gen Gipfel. Bei leichtem Südwind. Zum Südstartplatz. Chapeau. Nur noch die Schirme auslegen und dann statt stundenlangem bergab Gestolpere, völlig entspanntes Dahingleiten hinaus ins Tal. Mit allerbestem Blick aufs Mont Blanc Massiv. Könnte so bleiben.

Der Wetterbericht allerdings meldete ein Tief quer über den Alpen. Nur noch ein stabiler Tag. Also noch am gleichen Tag wieder Schirme falten, Rucksack packen, Auto beladen und ab zur Bahn der Aiguilles du Midi, um noch abends zur Cosmique Hütte zu laufen.

Der nächste Hüttenabend, das nächste Lager, die nächste kurze Nacht. Frühstück um 1Uhr, Vollmond, Sternenhimmel, Windstille. Und wieder bergauf stapfen. Durch griffigen Schnee, den Schirm auf dem Rücken. Sonnenaufgang auf über 4000m. Brotzeit auf 4808m. Der höchste Punkt Europas. Beeindruckende Fernsicht, beeindruckende Höhe, beeindruckender Wind.
Wieder Südwind, diesmal stärker, also Starkwindstart Richtung Italien, den zumindest ein Teilnehmer souverän meisterte und dafür mit einem 3800 Höhenmeter Abgleiter nach Chamonix belohnt wurde. Die anderen entschieden sich auf Grund ihrer langsameren Schirme für den Abstieg zu Fuß. Die anstrengendere Variante. Zufrieden waren abends alle. Spätestens beim obligatorischen Burger im PocoLoco. Savoir vivre in Chamonix.

Danach kam sie, die Kaltfront. Niemand war nach den letzten anstrengenden und eindrücklichen Tagen so richtig böse über die kleine Pause. Ein bisschen paraalpine Theorie, ein bisschen Einkaufsbummel, ein bisschen Felskletterei. Um abends endlich die Gemütlichkeit des Chalets zu nutzen, bei französischer Küche und französischem Wein.
Tags darauf wieder ein bisschen mehr Alpinismus. Je nach Gusto, Mehrseillängenkletterei in den Aiguilles Rouges oder Granitkletterei an der Aiguilles du Midi. Mit Ausnutzen der Wolkenlöcher für einen weiteren Flug vom Gletscher ins Tal, Start auf etwa 3600m, durchs Wolkenmeer hindurch zum Landeplatz von Chamonix. Und schon der letzte Abend, diesmal mit einem Besuch im Bistrot des Sports, in dem schon vor hundert Jahren die Bergführer ihre Gäste begrüßten.

Am letzten Tag ging es ein letztes Mal in die mit Steigeisen bestückten Bergschuhe, den Pickel in der Hand, den Klettergurt an. Hoch mit der Bahn zur Grands Montets. Vorbei an Gletscherspalten und Aiguilles Verts zum Startplatz. Abschiedsflug nach Chamonix. Wieder durchs Wolkenmeer. Wieder vorbei an Granitwänden und Eisriesen. Hinunter zum letzten Baguette, zum letzten Croissant. Vorerst!

Text und Bilder: Dominik Bartenschlager

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