Gipfelglück im Wallis – Climb & Fly vom Feinsten

06.09.2016

Durch das Hochdruckwetter im Wallis und die motivierte sowie laufstarke Gruppe aus 3 Paraalpinisten, ließen wir uns zu dem optimistischen Plan hinreißen, drei 4000er im Wallis in 5 Tagen zu befliegen. Die Hütten wurden reserviert und der Plan konnte nur aufgehen, wenn der erste Flug klappen würde. Die in den Tälern stark auflebenden Talwinde wollten wir umgehen und möglichst sichere Startplätze für uns wählen. Der erste Gipfelanstieg erfolgte von der gemütlichen Almageller Hütte mit leichter Felskletterei über den Weißmiessüdgrat zum Firngipfel des Weißmies. Windstille am Gipfel auf 4017m und ein Traumstartplatz ließen uns nicht lange Zögern, ein paar schnelle Schritte mit Steigeisen auf dem noch harten Firn und dann hieß es einfach genießen und den 2500 Höhenmeter Aufstieg aus der Vogelperspektive revue passieren lassen.

Die kräftigen Talwindböen setzten glücklicherweise erst zur Brotzeit im Schatten ein und nach kurzer Siesta am Landeplatz hieß es packen für den nächsten Hüttenaufstieg. Die 2700 gelaufen Höhenmeter an diesem Tag, machten sich dann doch auf den letzten Metern zur Hütte bemerkbar, das fast pünktlich erreichte Abendessen stellte jedoch alle wieder auf die Beine. Im Aufstieg zum Dom (4545m) ließen wir uns Zeit, die Wind- und Wetterprognose sollte uns den 3000m Höllenabstieg fliegerisch umgehen lassen. Den Gipfel für uns, blickten wir zufrieden zum Flugberg des Vortages, an dem wir vor 24 Stunden starteten. Andi und ich warfen uns aufgrund des 15 kmh Südwindes ein wenig kritische Blicke zu, die Startmöglichkeiten gingen schließlich nach Nord. Am Startplatz am Ende des Festigrates hing das Windfähnchen zwar richtig, jedoch wohl eher als Folge der Leewalze am Grat. Schnelle Entscheidung der Piloten, wir setzten auf unsere schnellen Füße und starten 300m tiefer aus einer spaltenarmen Zone. Die Freude bei Andi und mir darüber, alle in der Luft zu wissen, war mindestens so groß wie bei Simon, Mario und Jürgen. Es ist für einen Bergführer einfach doch ungewohnt, seine Seilpartner auszubinden und nur noch den Schirm halten zu können. Der Flug vom Dom eröffnete uns Blicke auf eine Ecke des Wallis, die vom Tal verdeckt bleibt und dank entspannt ruhiger Luft sicherlich zu meinen schönsten Alpinflugerlebnissen zählt.

Fast schon irritiert, wie planmäßig alles klappte, legten wir die Füße am Campingplatz in Täsch hoch ließen den Tag im Schatten ausklingen. Beim Rösti auf der Terrasse der Monte Rosahütte fiel dann doch auf, dass wir wohl die einzige Seilschaft mit dem Ziel Dufourspitze sind und erinnerte uns an die nicht rosig aussehenden Wetterberichte für den kommenden Morgen. Ein kleines Wetterfenster zwischen 6 und 8 Uhr am Morgen sollte eine ruhige Phase zwischen der Kaltfront aus West und den sich annähernden Feuchtlufttürmen aus Südost ermöglichen.

Wohl mehr Wunschdenken als Realismus, immerhin sitzen noch vier Osteuropäer am Grat zum Silbersattel im Gewitter und können von der Air Zermatt nicht ausgeflogen werden. Ein herzliches Dankeschön gilt dem Hüttenwirt, der um 12.30 Uhr extra für uns aufstand und das Frühstück richtet. Fragende Blicke trafen mich um 1 Uhr nachts, als wir im Regen bei null Sicht losstiefelten und die Frage, „macht das noch Sinn?“, konnte ich gut verstehen. Auf direktem Weg zum Silbersattel eröffnete sich uns eine mystische Landschaft aus Wolken, Nebel und Gletscherlandschaft, die nur vom Rettungshubschrauber für die blockierten Bergsteiger ein wenig gestört wurde. Null Wind im Sattel, Sicht bis zum Matterhorn, nur leider kreuzt der Heli unsere Startrichtung. Nervös telefoniere ich mit dem Hüttenwirt, der nach Rücksprache mit dem Piloten uns die Startfreigabe gibt. Mit noch 100 Meter Überhöhung gelingt der Sprung über den Gornergrat und der Weg nach Täsch ist frei.

Zweites Frühstück um 10 Uhr am Campingplatz und erst nach und nach realisierten wir, welch intensive Erlebnisse die letzten Tage mit sich brachten. Vielen Dank an Jürgen, Simon und Mario, dass ihr unseren Optimismus mitgetragen habt.

Text und Bilder: Dominik Bartenschlager

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