Jahreswechsel in Südafrika

22.01.2019

Während bei uns der Winter einkehrt, es früh dunkel wird und nass und kalt ist, packen wir unsere Koffer und machen es den Zugvögeln gleich: Ab in den Süden!

Mehr oder weniger entspannt kommen wir in Kapstadt an und werden herzlich von Barry und Candice empfangen. Das regnerische Wetter treibt uns nach Sedgefield an der berühmten Garden Road. Nach einem ausgiebigen Frühstück im Garten und bei strahlendem Sonnenschein fahren wir nach Kleinkranz an den Strand. Dieser Spot ist ausgezeichnet, um unsere etwas eingerostete Technik wieder auf Vordermann zu bringen. Während die einen noch groundhandeln, fliegen die anderen bereits an der Düne. Abgerundet wird der Tag durch einen ausgezeichneten Braai von Barry. Ganz wichtig zu wissen: ein Baai ist auf keinen Fall mit einem Barbecue zu vergleichen! Während das Fleisch bei einem BBQ verbrennt, wird es bei einem Braai langsam gebraten. Unachtsames Gleichstellen der Methoden kann sehr schnell zur Verweigerung der Essensausgabe seitens des Südafrikanischen Hausherren führen ;-)

Auch die nächsten Tage verbringen wir im gemütlichen Sedgefield. Der Startplatz liegt lediglich 200m über dem Meer, doch die thermischen Bedingungen sind ausgezeichnet und der grosse, laminar angeströmte Startplatz lädt zum Toplanden ein. Eike und Barbara haben ihre Technik wahrhaftig perfektioniert und mit neun Toplandings einen neuen Rekord aufgestellt. Während am Morgen der Fokus jeweils beim Thermikfliegen und Touch-and-Go liegt, schweifen zur Mittagszeit unsere Blicke auf den 7km entfernten Ozean. Während das Meer am morgen noch spiegelglatt ist, bilden sich ab 11 Uhr idealerweise kleine Wellen. Die sind ein sicheres Indiz, dass nun der Südwind kommt und an der Paradise Ridge geflogen werden kann. Im besten Fall erreicht man diese Ridge direkt am Meer fliegend. Doch dafür müssen entweder die Bedingungen sehr gut sein, oder der Pilot macht dies durch viel Talent wett. Dieser Pilot was diesmal eine Sie: Christa gelang als Einziger von uns die Querung gegen den Wind. Während wir anderen neidisch mit dem Auto hinterherfahren, begrüsst Christa uns kurze Zeit später mit einem grossen Grinsen am Startlatz wieder.

Die Paradise Ridge trägt ihren Namen nicht umsonst: Sie ist direkt am Meer gelegen, es hat viele Büsche mit Blumen und weiter unten brandet der azurblaue Indische Ozean an den Sandstrand. Die 10km lange Düne bietet für jedes Niveau etwas und wenn man Glück hat, kann man sogar Delfine in den Wellen spielen sehen. An zwei Tagen weht der Wind zu sehr aus Ost, weshalb wir an Barrys „Secret Spot“ in Buffelsbay ausweichen. Die Bucht ist perfekt nach Osten ausgerichtet, doch der Start unten am Strand und anschliessendem hochhandeln verlangt viel Feingefühl. Während die einen stundenlang soaren, gehen die anderen baden oder feilen an ihren Groundhandling-Skills.

Nach einer Woche in Sedgefield nutzen wir eine Kaltfront am Mittwochnachmittag, um zurück nach Kapstadt zu fahren. Am nächsten Tag gehts früh weiter nach Langebaan. Der Wind steht optimal an und die grosse Düne mit feinem Sand lädt zum Spielen und Fliegen ein. Es ist wie an der Dune du Pilat, nur dass wir hier den Luftraum für uns alleine haben. Mittlerweile sind wir alle Profis im Groundhandling, lassen uns vom Schirm die Düne hochziehen, starten und landen präzise am Strand. Unter uns spielen Seehunde in der malerischen Lagune.

Wenn man im XContest nach Flügen in Südafrika sucht, dann erscheinen vor allem Streckenflüge in Porterville. Das kleine Dörfchen liegt drei Stunden nördlich von Kapstadt im Landesinneren und das abwechslungsreiche Fliegen an der Ridge und auch im Flachland lässt jedes Pilotenherz höher schlagen. Nach den vielen Soaring-Sessions sind wir so richtig hungrig nach Kilometern. Die Bedingungen sind nicht ganz einfach, da ein ausgeprägtes Hochdruckgebiet zwar für viel Sonnenschein, aber auch stabile Verhältnisse sorgt. Einmal mehr zeigen Christa und Andy ihre Klasse und landen vor dem Pass ins Citrusdal. Übernachtet wird im ehrwürdigen Hotel in Citrusdal, wo wir auch ein ausführliches Debriefing machen. Ebendieses zeigt am nächsten Tag bereits Früchte und alle kommen besser mit den Verhältnissen zurecht. Andy, Christa und Luigi fliegen vorne, Dirk und Fabio nehmen die Verfolgung auf. Während die Anderen vor dem Pass landen müssen, erwischt Andy eine super Thermik im Flachland, dreht bis auf über 2000m auf und kann problemlos zum Hotel in Citrusdal gleiten. Wir anderen machen einen zweiten Versuch von Kardoesie aus. Jürgen und Andrea schaffen es nach Hause zu fliegen und auch Birgit hat einen tollen Flug mit perfektem Abschluss am Landeplatz. Am letzten Tag kommt auch Barbara so richtig auf Touren und fliegt zur persönlichen Bestleistung. Auch Beat und Andy erwischen die richtige Taktik zwischen Bergen und Flachland und können einen tollen Flug machen.

Nach drei Flugtagen in der Halbwüste von Porterville sind wir am vorletzten Tag in Hermanus zum Fliegen. Die Aussicht auf die Bucht ist atemberaubend und wir machen uns schnell auf in die Luft. Am Anfang geht es noch etwas zögerlich, doch die Bedingungen werden immer besser und alle Piloten können sich mühelos oben halten - einmal mehr Soaring vom Feinsten. Chrigel, Andy, Barbara und Andrea können gar nicht genug bekommen vom Fliegen und werden für ihre Ausdauer mit einer Landung direkt am Strand belohnt. Silvester feiern wir alle zusammen in einem Restaurant in Table View, während ein paar Wenige anschliessend in Downtown weiterfeiern gehen.

Während sich die einen bereits auf dem Heimflug befinden, erwartet Nicole, Birgit, Dirk und Jürgen der krönende Abschluss unserer Südafrika Reise: ein Flug vom Lions Head in Kapstadt. Der Wind weht eher schwach aus Südwest und nach einem kurzen Briefing am Landeplatz stehen wir zwischen unzähligen Tandempiloten am Startplatz. Die Hektik am Startplatz weicht schnell purer Entspannung und Genuss, als wir im laminaren Wind über dem berühmten Berg schweben. Der Tafelberg links, das Meer rechts und hinter uns Cape Town – ein wirklich unvergesslicher Flug und ein perfektes Ende für unsere Reise.

Text & Fotos: Michael Sigel

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