Pyrenäen - Fliegen nonstop

13.09.2016

Aus dem Flieger und ab an den Startplatz; so startete für den grössten Teil der Gruppe unsere Pyrenäen Tour. Bilbao in einem kleinen immergrünen Teil Spaniens, bildete den Ausgangspunkt für unsere Reise durch die Pyrenäen.

Südlich von Bilbao lockte gleich die erste perfekte Kante mit richtig feinen Bedingungen. Andi startete sofort den Angriff und machte sich in den Norden auf, bis er das Meer zu Gesicht bekam. Alle „stürzten“ sich über die Klippe und genossen das entspannte dynamische Fliegen. Jonas, erst am Abend angereist, lies es sich nicht nehmen und startete mit einem klassischen „Steilwand“ Start, bis zur Brust im Gras stehend seine Pyrenäen Safari ein paar Meter unterhalb, da der Wind an der Kante etwas stark zum Starten daher blies. Aber auch das wurde souverän gemeistert und so soarte er noch gemeinsam mit Corinna, Etienne und Thomas bis in die fast dunkle Nacht.

Die nächsten zwei Tage liessen gute Bedingungen im Herzen der Pyrenäen erwarten; Castejon de Sos, dem höchsten Berg der Pyrenäen vorgelagert, bietet uns eine imposante Kulisse. Startplätze wie sie besser und grösser nicht sein können, einen Höhenunterschied von guten 1400 m und ein Panorama was selbst einen Alpenflieger beeindruckt. Es lies sich auch niemand lange bitten und bald war ein Grossteil der Mannschaft verschwunden, um diese Bergwelt fliegerisch zu erkunden. Der Startschlauch funktionierte zuverlässiger als ein Raketenstart und genau in dem Tempo ging es auch erst mal nach oben. Simon und Etienne entpuppten sich schon am zweiten Tag zu ausdauernden und zuverlässigen „Flugstunden- Sammlern“ und diesen Titel konnte ihnen auch bis zum Schluss kaum noch jemand streitig machen. Raffael lies seine Erfahrung spielen und legte eine feine Runde vor. Jonas war auf jeden Fall ganz klar mit seinem Ziel vor Augen unterwegs und er visierte praktisch täglich aufs Neue Barcelona als Tagesziel an…!

Nachdem auch am nächsten Tag wieder die Sonne vom blauen Himmel lachte, wurden die ersten Stunden gleich erneut genutzt. Wie immer legte Jonas in Richtung „Barcelona“ vor und Heinz liess sich kurzerhand verleiten, somit machten sie Bekanntschaft mit diversen Waldlichtungen in Richtung Süden! Aber wer es nicht versucht….
Der am Nachmittag in der Höhe einsetzende Nordwind machte den Cocktail zusammen mit der kräftigen Thermik dann irgendwann sehr stark, nur Anja zog noch stundenlang einsam ihre Kreise am azurblauen Pyrenäen-Himmel und genoss die völlige „Lufthoheit“.

Das bekannte Àger war die nächsten zwei Tage unser Ziel. Auch hier machte sich der dieses Jahr sehr trockene Sommer bemerkbar. Sowieso schon nicht mit viel Regen gesegnet, war die Region noch trockener als sonst. Relativ blaue Bedingungen liessen dann auch dort selbst „Kühe“ oder „Hasen“ fliegen. Was für Tiere auch immer, es flog gut und die Kante wurde in beide Richtungen ergiebig abgesegelt. Nachdem das erledigt war, wurde der Schenkel ins davor liegende Flachland verlegt – mit mehr oder weniger Erfolg. Manch einer drehte rechtzeitig um, zurück zur rettenden Kante und manch einer zog es durch und wurde auf irgendeinem der riesen Kornfelder wieder auf den Boden der Tatsachen zurückgeholt. Simon erweiterte sein Flugkonto wieder massiv, Jonas erweiterte sein Ziel auf „Madrid“, Bruno, Heinz und Michael spielten „Hase und Igel“, da sie mit den genau gleichen Schirmen praktisch immer überall auftauchten und Raffael damit schon an den Rand der Verzweiflung brachten, Dani verfolgte seine ihm bekannte Taktik mit Erfolg: Erst sehr tief sein um dann aufzudrehen und ausserdem stellten wir fest, es kann auch im September noch verdammt warm sein, besonders wenn man den wärmsten Tag seit den Wetteraufzeichnungen im September mit erlebt.

Der nächste Tag verlief dann ähnlich, nur das ab und an der Ansatz einer Wolke am Himmel auftauchte, Etienne den Weg zurück ins Hotel eisern verfolgte und auch mit Erfolg krönte. Er landete direkt in unserer schönen „klösterlichen“ Unterkunft, nahe den alten Mauern. Nachmittags liessen wir den Wind am Startplatz dann Wind sein und widmeten uns mehr dem erfrischenden Nass eines schönen Sees, bevor es in den späteren Stunden wieder Zeit wurde in den Sonnenuntergang zu fliegen.

Die grandiosen Felstürme von Mallos Riglos bildeten die Kulisse für unsere nächste Etappe. Das Hotel zu erreichen war das erklärte Ziel, dort am Pool ein zu landen und im Green des Gartens den Schirm zusammen zu legen. Nachdem erst eine geschlossene Wolkendecke die Thermik abschwächte, machten die gefiederten Kollegen, in Form riesiger Geier aber schnell klar, dass es auch im Schatten eine Chance gibt. Jonas, heute erstmals nicht mit dem Ziel Barcelona gestartet, zeigte bald, dass der Ofen an ist und man seine Chance nur nutzen muss. Ausserdem setzte sich auch die revolutionäre Feststellung durch, dass man zum Aufdrehen das „Steigen“ zentrieren muss und nicht den Abwind! Mit dieser neuen Erkenntnis zeigten die Damen was möglich ist; Corinna und Anja drehten auf und sofort ab, um sich auf den Weg zum ca. 20 km entfernten Hotel zu machen. Nur Simon konnten sie nicht sofort abhängen, er hatte den Braten schon gerochen und klemmte sich direkt dahinter. Dann wurden praktisch alle belohnt, denn es stellten sich feine Bedingungen ein, die dem grössten Teil der Gruppe zum „Heimfliegen“ verhalfen. Andi und Raffael wählten die Flachland Variante und verschwanden erstmal Richtung Süden, ehe sie den Weg zurück in Angriff nahmen. Nachdem auch Heinz schon im Pool badete, gab es Motivation genug für seinen Team Skywalk und Zimmerkollegen Bruno, die Strecke auch noch in Angriff zu nehmen. Praktisch unter dem Kirchturm wurde der Einstieg ausgegraben und im feinsten Flachlandsteigen die Ausgangshöhe für eine erfolgreiche Heimkehr gelegt.
Auch Ronnie konnte sich natürlich nicht lumpen lassen; um den „Familienfrieden“ wieder herzustellen musste er sich in mühevoller und geduldiger Kleinarbeit aus den tiefsten Tiefen ausgraben und wahrscheinlich rettete ihn nur der gute Segen des Burgfräuleins unter dem Startplatz. Auf jeden Fall war auch hier der Pool die Endstation. Am Abend gab es nur grinsende Gesichter und es wohl keinen, der dieses Gebiet nicht schätzen gelernt hatte.

Laut der Wettervorhersage war heut eher nichts zu machen; aber wir liessen uns von der Realität überzeugen. Die bescherte uns abermals die Möglichkeit, den Vortag zu wiederholen und wir fanden uns am gleichen Startplatz ein. Nachdem die Basis erst mal unter dem Startplatz hing und wir schon an fliegerische Minimal-Aufgaben dachten, veränderte sich alles schnell; die Basis stieg, die Thermik war da und das Race war eröffnet. Raffael zog mit Thomas sofort davon, Yvonne liess sich von den Herren auch nicht gerade leicht abschütteln und fand sich dann irgendwann in der Pampa wieder und Jonas beglich heute noch die Rechnung mit dem Heimflug und konnte sich somit auch ins „Goldene Buch“ eintragen.

Nachts ging es dann durch die Gassen und Tapas Bars von Pamplona. Immer wieder ein eindrückliches Erlebnis. Federico musste sich dann noch zu später Stunde um die Standort und Rückholmessages einiger Kandidaten kümmern. Auf jeden Fall war am nächsten Morgen wieder jeder vorhanden…

Wie es ich für eine anständige Rundreise gehört standen wir heut wieder am „Ausgangspunkt“ südlich von Bilbao am Startplatz. Die „Kante“ stand bereit, der Wind ging an und schon bald eröffneten Heinz und Bruno den Flugtag. Bald waren alle in unterschiedlichen Höhen gen Norden verschwunden. Yvonne und Michael zeigten dann wie gut das Flachland schon ging, Dirk und Anja mussten den Einstieg an den imposanten senkrechten Felswänden suchen, und alsbald waren auch sie über der weitläufigen Kante verschwunden. Jonas und Raffael zogen den letzten Schlauch direkt über dem Marktplatz heraus, wobei gemunkelt wurde, sie hätten schon die Preisschilder der Händler lesen können…

Ein schöner letzter Tag einer gelungenen Pyrenäen Reise mit vielen Flugstunden und einer sehr gut gelaunten und humorvollen Gruppe. Wir freuen uns aufs nächste Mal wenn wir wieder durch diesen schönen Teil der Pyrenäen ziehen.

Text; Michael Gebert
Fotos: Federico Kutscheidt, Jonas Heidenfelder, Verena Siegl, Michael Gebert

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